Mehrere tausend Menschen sind am Tag der Arbeit in Thüringen auf die Straße gegangen, um gegen Arbeitsplatzabbau und für soziale Sicherheit zu protestieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zählte insgesamt rund 6.600 Teilnehmer bei 17 Veranstaltungen. Die Kundgebungen verliefen friedlich, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die größte Versammlung fand in Erfurt statt.
DGB warnt vor Angriffen auf Sozialstaat
„Den Angriffen auf den 8-Stunden-Tag und den Sozialstaat werden wir uns entschieden entgegenstellen“, erklärte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, zum 1. Mai. Er betonte die Bedeutung des Tags der Arbeit für die Rechte der Beschäftigten.
Voigt kündigt Ausbildungskammer an
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nutzte die Kundgebung in Erfurt, um eine bessere Betreuung von Auszubildenden anzukündigen. Geplant sei der Aufbau einer Ausbildungskammer als gemeinsames Projekt mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Diese Kammer solle sich um die Belange von Azubis kümmern, vergleichbar mit dem Studierendenwerk an Hochschulen. Voigt nannte Unterkünfte für Auszubildende, die fern ihres Wohnortes ihre Lehre absolvieren, oder Nahverkehrstickets als mögliche Aufgaben.
Der Regierungschef bekräftigte vor mehreren hundert Teilnehmern, dass die Landesregierung angesichts des harten Strukturwandels um jeden Industriearbeitsplatz kämpfen werde. Die Entscheidung des Zalando-Vorstandes, das Logistikzentrum mit rund 2.700 Arbeitnehmern in Erfurt zu schließen, bezeichnete Voigt als unanständig. Der engagierten Zalando-Belegschaft sei „der Stuhl vor die Tür gestellt worden“.
DGB-Veranstaltungen in 16 Städten
An einer Demonstration durch die Erfurter Innenstadt beteiligten sich nach Angaben einer DGB-Sprecherin bis zu 1.000 Menschen, darunter viele junge Leute. Diese Zahl nannte auch die Polizei. Thüringens SPD-Chef und Innenminister Georg Maier und Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) reihten sich in die Demonstration ein. IG Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger sagte, die Gewerkschaften seien eine „Schutzmacht“ und Stimme der Beschäftigten in einer Zeit, in der Deutschland aus dem wirtschaftlichen Tief nicht herauskomme und täglich Arbeitsplätze verloren gingen. Er kritisierte die geplanten Reformen der Bundesregierung: Es sei falsch, den Sozialstaat pauschal als aufgebläht oder nicht mehr finanzierbar darzustellen.
Der DGB hatte zu Kundgebungen und Demonstrationen in 16 Thüringer Städten aufgerufen, darunter in Weimar, Nordhausen, Ilmenau, Bad Salzungen, Altenburg, Jena und Greiz. Sie standen unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Die DGB-Gewerkschaften haben in Thüringen aktuell mehr als 110.000 Mitglieder, was etwa jedem siebten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Freistaat entspricht.



