Regierungspläne für steuerfreie Prämie lösen Unmut bei Arbeitgebern aus
Die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorgeschlagene steuerfreie Bonus-Zahlung von bis zu 1000 Euro für Beschäftigte stößt bei Unternehmen in der Uckermark auf deutliche Ablehnung. Während Arbeitnehmer sich über zusätzliches Nettoeinkommen freuen würden, sehen Arbeitgeber in der Region kaum realistische Möglichkeiten zur Finanzierung dieser zusätzlichen Belastung.
Mittelständische Betriebe in finanzieller Zwickmühle
Regina Kleta, Mitgesellschafterin der BDP Baudenkmalpflege Prenzlau GmbH & Co. KG, bringt die allgemeine Stimmung auf den Punkt: „Aber ganz ehrlich, wo soll das Geld denn momentan herkommen? Das muss doch erst einmal erwirtschaftet werden.“ Ihr Betrieb mit 61 Beschäftigten inklusive Auszubildenden stünde vor einer zusätzlichen Ausgabe von zehntausenden Euro, sollte die Prämie tatsächlich umgesetzt werden.
Die Unternehmerin kritisiert dabei besonders die Wahrnehmungslücke zwischen Politik und Wirtschaftsrealität: „Das scheinen die Politiker in ihrer Blase gar nicht mehr mitzubekommen.“ Während die Regierung mit Milliardensummen hantiere, würden Bürger und Betriebe zunehmend belastet.
Explodierende Kosten und rückläufige Aufträge
Die Situation im Baugewerbe beschreibt Kleta als zunehmend angespannt. Nach einem stabilen Jahr 2025 seien die Aufträge seit Beginn des Jahres 2026 merklich zurückgegangen. „Vor allem Privatleute könnten sich einen Handwerker doch kaum noch leisten“, so ihre ernüchternde Einschätzung.
Die Kostenspirale dreht sich dabei unaufhörlich weiter:
- Ein Sack Zement kostete vor dem Ukrainekrieg noch 2,48 Euro netto
- Aktuell müssen Betriebe bereits 4,67 Euro dafür bezahlen
- Materialkosten haben sich teilweise um bis zu 80 Prozent erhöht
- Sprit- und Energiekosten machen viele Leistungen nahezu unbezahlbar
Handwerkskammer bestätigt düstere Wirtschaftslage
Der Konjunkturbericht der Handwerkskammer Frankfurt/Oder untermauert die kritische Situation mit konkreten Zahlen. Martin Römer, Leiter der Pressestelle, bestätigt: „Die wirtschaftliche Lage im ostbrandenburgischen Handwerk zeigt sich im Frühjahr 2026 weiterhin angespannt. Eine spürbare Aufwärtsdynamik ist nicht erkennbar.“
Besonders alarmierend sind folgende Entwicklungen:
- Der durchschnittliche Auftragsvorlauf ist auf nur noch 9,3 Wochen gesunken
- Im Ausbaugewerbe und bei gewerblichen Handwerken haben sich Auftragsbestände deutlich reduziert
- Weiter steigende Einkaufspreise belasten Betriebe erheblich
- Nur wenige Unternehmen können höhere Kosten über Verkaufspreise ausgleichen
- Der Margendruck bleibt entsprechend hoch
Existenzängste im ländlichen Raum
Regina Kleta äußert eine Befürchtung, die viele mittelständische Betriebe in der Uckermark teilen: „Nicht nur ich habe langsam den Eindruck, als werde der Mittelstand im ländlichen Raum sukzessive vernichtet.“ Die Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen und wirtschaftlicher Realität werde immer größer.
Die Unternehmerin betont abschließend noch einmal ihre grundsätzliche Haltung: „Keine Frage, ich würde jedem unserer Angestellten mehr Geld in der Tasche gönnen. Aber wo bitteschön soll es in den Betrieben denn herkommen? Die Umsätze sind doch rückläufig.“ Diese Frage bleibt von der Politik bisher unbeantwortet, während die wirtschaftlichen Herausforderungen für die Betriebe in der Uckermark täglich spürbarer werden.



