Rheinmetall verzeichnet 350.000 Bewerbungen in einem Jahr
350.000 Bewerbungen bei Rheinmetall

Berlin – Während die deutsche Automobilindustrie in einer tiefen Krise steckt und tausende Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen, erlebt die Rüstungsbranche einen beispiellosen Boom. Rheinmetall, Renk und Co. werden zunehmend als Hoffnungsträger für entlassene Autobauer bei VW, Mercedes und Opel gesehen. Doch kann die Rüstungsindustrie die Lücke wirklich schließen?

Rheinmetall wächst rasant

Die Auftragsbücher der deutschen Rüstungsunternehmen sind prall gefüllt. Rheinmetall rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von 40 Prozent auf 14 bis 15 Milliarden Euro. Konzernchef Armin Papperger (63) erwartet, dass das Wachstum erst zwischen 2035 und 2040 nachlassen könnte – vorausgesetzt, es kommt zu keiner militärischen Auseinandersetzung in Deutschland. Papperger ist zugleich Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV).

350.000 Bewerbungen in zwölf Monaten

Um die steigenden Aufträge bewältigen zu können, benötigt die Branche dringend mehr Personal. Rheinmetall will bis 2030 rund 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Aktuell beschäftigt das Düsseldorfer Unternehmen 44.000 Menschen. Das Interesse an einer Tätigkeit in der Rüstungsbranche ist enorm: Weltweit gingen im vergangenen Jahr 350.000 Bewerbungen ein, davon 250.000 aus Deutschland. Papperger berichtet, dass sogar Menschen persönlich bei ihm zu Hause klingelten, um ihre Arbeitsbereitschaft zu bekunden.

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Bereits heute sind viele Unternehmen der Automobilbranche als Zulieferer für die Rüstungsindustrie tätig. Rheinmetall hat rund 11.500 deutsche Zulieferer, von denen etwa 4.500 aus der Autoindustrie stammen. Papperger plant, die Belegschaft bis 2030 auf 70.000 Mitarbeiter zu erhöhen. Zusammen mit den 210.000 Beschäftigten in der Lieferkette wären das insgesamt 280.000 Arbeitsplätze – das entspricht etwa einem Drittel der Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie.

Ökonom warnt vor überzogenen Erwartungen

Doch die Hoffnung, dass die Rüstungsbranche die Automobilindustrie als Jobmotor ersetzen könnte, wird von Experten gedämpft. „Die Rüstung wird die Wirtschaft nicht retten“, sagt der Ökonom Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber „Euronews“. Er schließt ein Wirtschaftswunder durch die Produktion von Drohnen und Raketensystemen aus. Für die Konzerne sei dies zwar ein wachsendes Zusatzgeschäft, aber kein Ersatz für die angeschlagene Autoindustrie. Die Automobilbranche trägt immer noch rund fünf Prozent zur deutschen Wirtschaftsleistung bei – eine Größenordnung, die die Rüstungsindustrie trotz des Booms auf absehbare Zeit nicht erreichen wird.

Für einzelne Mitarbeiter könnte der Wechsel vom Autobauer zum Rüstungskonzern jedoch eine Perspektive bieten. Ob der Trend „Panzer statt Auto“ langfristig trägt, bleibt abzuwarten.

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