ADHS im Berufsleben: Wenn Hochmotivation in die Erschöpfung führt
Kreativ, schnell, hochmotiviert – und dennoch im Burn-out: Immer mehr Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erleben im Beruf einen dramatischen Absturz vom Top-Performer zum gesundheitlichen Risikofall. Obwohl sie ein enormes Potenzial an Ideenreichtum und Energie mitbringen, werden sie besonders häufig von Erschöpfungssyndromen getroffen. Eine Berliner Professorin für Arbeitspsychologie analysiert nun, welche spezifischen Arbeitsbedingungen für ADHS-Betroffene besonders gefährlich sind und welche einfachen Maßnahmen Unternehmen sofort umsetzen können.
Das Paradox der ADHS-Leistungsträger
Menschen mit ADHS verfügen oft über außergewöhnliche Fähigkeiten: Sie denken in unkonventionellen Bahnen, arbeiten mit hoher Geschwindigkeit und zeigen in Projekten, die sie begeistern, eine beeindruckende Motivation. Doch genau diese Stärken können sich im Berufsalltag gegen sie wenden. Die permanente Hochleistung, kombiniert mit der typischen ADHS-Symptomatik wie Impulsivität und Konzentrationsschwankungen, führt zu einer chronischen Überforderung. „Sie geben ständig 150 Prozent, bis die Batterie leer ist“, erklärt die Expertin. Ohne angepasste Rahmenbedingungen landen viele Betroffene im Burn-out, bevor ihr volles Potenzial ausgeschöpft werden kann.
Gefährliche Arbeitsbedingungen und sofortige Gegenmaßnahmen
Die Berliner Professorin identifiziert mehrere Faktoren, die ADHS-Beschäftigte besonders belasten:
- Strukturarme Arbeitsumgebungen: Fehlende klare Abläufe und unübersichtliche Aufgaben fördern Überforderung.
- Multitasking-Anforderungen: Ständiges Springen zwischen verschiedenen Tätigkeiten überlastet das ohnehin beanspruchte Aufmerksamkeitssystem.
- Unklare Kommunikation: Vage Anweisungen und wechselnde Prioritäten verursachen zusätzlichen Stress.
Gleichzeitig betont sie, dass Unternehmen mit vergleichsweise einfachen Anpassungen viel erreichen können:
- Strukturierte Arbeitsabläufe schaffen: Feste Routinen und klar definierte Prozesse entlasten ADHS-Beschäftigte erheblich.
- Fokussierte Arbeitsphasen ermöglichen: Konzentrierte Einzelarbeit ohne ständige Unterbrechungen fördert nachhaltige Produktivität.
- Regelmäßiges Feedback geben: Konstruktive Rückmeldungen helfen, Unsicherheiten zu reduzieren und Motivation zu erhalten.
Diese Maßnahmen kommen nicht nur ADHS-Betroffenen zugute, sondern verbessern das Arbeitsklima für das gesamte Team. Indem Unternehmen die spezifischen Stärken von Menschen mit ADHS erkennen und fördern – statt sie durch ungünstige Bedingungen zu gefährden – können sie wertvolle Mitarbeiter langfristig binden und Burn-out-Fälle wirksam verhindern. Die Expertin appelliert an Arbeitgeber, das Potenzial dieser oft übersehenen Talentgruppe systematisch zu nutzen, anstatt es durch Überlastung zu verspielen.



