Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April 2026 nur geringfügig gesunken. Eine spürbare Frühjahrsbelebung oder gar eine Trendwende sind trotz eines überraschenden Wirtschaftswachstums im ersten Quartal nicht in Sicht. Der Arbeitsmarkt leidet unter einer seit Jahren schwachen Konjunktur und den Folgen des Iran-Kriegs mit einem Ölpreisschock.
Situation am Arbeitsmarkt weiterhin angespannt
Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), erklärte in Nürnberg: „Wir haben eine eindeutige Entwicklung ins Negative seit Ende 2022 beobachtet.“ Die Arbeitslosenzahl lag im April bei 3,008 Millionen – ein Minus von 13.000 gegenüber März, aber ein Plus von 77.000 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote blieb bei 6,4 Prozent.
Defizit der Bundesagentur könnte steigen
Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit wird zunehmend zum finanziellen Problem für die BA. Das im Herbst prognostizierte Defizit von vier Milliarden Euro könnte noch größer ausfallen, deutete Nahles an. Grundlage des Haushalts ist die Herbstprognose der Bundesregierung, die von durchschnittlich 2,9 Millionen Arbeitslosen im Jahr 2026 ausging. Tatsächlich liegt die Zahl aktuell darüber; die Regierung rechnet nun mit 2,978 Millionen. „Wir werden das jetzt alles noch einmal neu berechnen müssen – aber ich kann jetzt schon sagen, dass das natürlich kostensteigernd ist“, so Nahles.
Das Arbeitslosengeld ist der größte Kostenfaktor der BA. In konjunkturell schwierigen Zeiten belasten auch Kurzarbeitergeld und Insolvenzgeld den Etat. Reichen die Einnahmen aus der Arbeitslosenversicherung nicht aus, muss der Bund mit Darlehen oder Zuschüssen einspringen.
Forderungen von Gewerkschaft und Arbeitgebern
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Bundesregierung auf, auf die Rückzahlung früherer Liquiditätshilfen zu verzichten. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte: „Es geht nicht, die Leistungen für Arbeitslose oder die Leistungsfähigkeit der Bundesagentur in solchen Zeiten zu schleifen.“ Sie verlangte ein Programm zur Krisenprävention und einen leichteren Zugang zu Kurzarbeitergeld.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sicherte Unterstützung zu: „Wir halten als Bundesregierung entschlossen dagegen. Mit Rekordinvestitionen in Infrastruktur, Forschung und Digitalisierung, mit Maßnahmen gegen hohe Energiekosten, mit Entbürokratisierung, wirksamen Sozialstaatsreformen und erleichterter Fachkräfteeinwanderung.“
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hingegen forderte mehr Reformen. Nötig seien eine Begrenzung der Arbeits- und Sozialkosten sowie eine Arbeitsmarktpolitik, die auf Qualifizierung, Vermittlung und schnelle Jobwechsel setze, statt Stillstand abzusichern.
Details zu Arbeitslosengeld und Bürgergeld
Im April bezogen 1,07 Millionen Menschen Arbeitslosengeld – 93.000 mehr als vor einem Jahr. Bürgergeld erhielten 3,826 Millionen erwerbsfähige Menschen, ein Rückgang um 125.000 im Vergleich zum Vorjahr. Das Bürgergeld wird auch an Erwerbstätige gezahlt, deren Lohn nicht zum Existenzminimum reicht.
Auf dem Ausbildungsmarkt sind noch 211.000 junge Menschen ohne Stelle oder Alternative. Gleichzeitig sind 217.000 der 380.000 gemeldeten Lehrstellen unbesetzt. Oft passen Bewerberprofile oder räumliche Distanzen nicht. Positiv: Nach erfolgreicher Ausbildung ist die Übernahmequote in den Betrieben hoch, betonte Nahles.



