Ausbildungsabbruch verstärkt soziale Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt
Eine abgebrochene Ausbildung hat langfristige finanzielle Folgen, die sozial benachteiligte Jugendliche besonders hart treffen. Das belegt eine neue gemeinsame Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Universitäten Bamberg und Bielefeld sowie des schwedischen Instituts für Sozialforschung. Die Analyse wertete Daten von rund 650.000 Jugendlichen in der dualen Berufsausbildung aus, die ihre Erstausbildung zwischen 2000 und 2007 begonnen hatten.
Massive Einkommensverluste für benachteiligte Gruppen
Laut der Studie liegt der Einkommensverlust in den zehn Jahren nach einem Ausbildungsabbruch bei sozial benachteiligten Jugendlichen im Durchschnitt bei 45 Prozent. Konkret erzielten Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, im Untersuchungszeitraum ein durchschnittliches Einkommen von 153.000 Euro. Bei denen, die ihre Ausbildung abbrachen, belief sich dieses auf lediglich 82.000 Euro. Dies verdeutlicht die gravierenden finanziellen Konsequenzen eines Abbruchs für diese Gruppe.
Bessergestellte können Nachteile ausgleichen
Im Gegensatz dazu zeigen sich für Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien keine signifikanten Einkommensnachteile nach einem Ausbildungsabbruch. Trotz des Abbruchs erreichen sie langfristig vergleichbare Einkommensniveaus. Die soziale Herkunft wurde in der Studie über die Bildungsabschlüsse im unmittelbaren Wohnumfeld hergeleitet. Es wurden nur Abbrecher untersucht, die anschließend in einen Job einstiegen, für den sie die Ausbildung nicht benötigten, oder die den Ausbildungsplatz wechselten.
Soziale Ressourcen als entscheidender Faktor
Die Studienautoren betonen, dass die Folgen eines Ausbildungsabbruchs stark mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammenhängen. „Die Folgen eines Ausbildungsabbruchs hängen auch mit den verfügbaren sozialen Ressourcen zusammen“, sagt IAB-Forscherin Kerstin Ostermann. Jugendliche aus privilegierteren Familien finden häufiger einen Weg zurück in die Ausbildung und können so einen Abschluss nachholen. Zudem gelingt ihnen eher der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, teils auch in Jobs, die formal einen Berufsabschluss voraussetzen.
Sozial benachteiligten Jugendlichen fehlen solche sozialen Ressourcen und Neustartchancen häufiger, sodass ein Abbruch bei ihnen eher dauerhaft zu niedrigeren Einkommen führt. Die Studie weist darauf hin, dass es sich vor allem um Ausbildungsabbrüche handelt, die durch äußere Faktoren verursacht sind und nur zu einem geringeren Teil durch bestimmte Charakteristika der Jugendlichen selbst. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von unterstützenden Maßnahmen, um soziale Ungleichheiten im Bildungssystem und Arbeitsmarkt zu reduzieren.



