Spirituosenfabrik Güstrow: Mitarbeiter fordern Durchhalteprämie bei angespannter Personalsituation
In der traditionsreichen Spirituosenfabrik Winkelhausen in Güstrow standen am 1. April 2026 die Maschinen für einen ganzen Tag still. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte zum achtstündigen Streik aufgerufen, um auf die prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Die zehn verbliebenen Angestellten des Betriebes fordern eine sogenannte Durchhalteprämie von 350 Euro, da die Arbeit durch Personalmangel immer anstrengender wird.
Streikaktion mit voller Beteiligung
Annett Rossa-Koslowski, Gewerkschaftssekretärin der NGG Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich mit der Streikbeteiligung sehr zufrieden. „Die Mitarbeiter haben ihre Arbeit niedergelegt und sind nach Hause gegangen, um ein deutliches Signal zu setzen“, erklärte sie. Die Türen des Betriebes blieben während des Streiktages verschlossen, und die Produktion kam komplett zum Erliegen.
Forderungen im Tarifkonflikt
Im aktuellen Tarifkonflikt, der seit März dieses Jahres schwelt, stellt die Gewerkschaft folgende Hauptforderungen:
- Eine Lohnerhöhung von zwölf Prozent für die Beschäftigten
- Einen Anschlusstarifvertrag mit einer Laufzeit von zwölf Monaten
- Eine Durchhalteprämie in Höhe von 350 Euro pro Mitarbeiter
Hintergrund dieser Forderungen ist die angespannte Personalsituation. Durch Todesfälle, Krankheiten und Renteneintritte wird fehlendes Personal nicht ersetzt, sodass die Arbeitslast auf die verbliebenen Schultern verteilt wird. „Die Arbeit verdichtet sich immer mehr, und die Belastung für die Mitarbeiter steigt kontinuierlich“, so Rossa-Koslowski.
Kritik an den Löhnen und der Unternehmenspolitik
Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass die Stundenlöhne in der Spirituosenfabrik trotz einer Erhöhung im vergangenen Jahr noch weit unter dem regionalen Durchschnittseinkommen und dem branchenüblichen Niveau liegen. Der Arbeitgeber begründet die bisher erfolglosen Verhandlungen damit, dass bereits im Vorjahr eine Lohnerhöhung gewährt wurde. „Auch wenn es sich um einen kleinen Betrieb handelt, ist es wichtig, die Probleme dort in den Fokus zu rücken“, betont die Gewerkschaftsführerin.
Fehlende Reaktion des Unternehmens
Am Streiktag war von der Geschäftsführung vor Ort keine Auskunft zu erhalten, und auch am Folgetag konnte die Redaktion keine Stellungnahme einholen. Laut Annett Rossa-Koslowski hat der Arbeitgeber bislang ebenfalls nicht auf die Gewerkschaft reagiert. Diese Funkstille unterstreicht die angespannte Atmosphäre in den Tarifverhandlungen und lässt wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Konflikts aufkommen.
Die Situation in der Güstrower Spirituosenfabrik zeigt exemplarisch die Herausforderungen kleiner Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Mitarbeiter hoffen, mit ihrem Streik und ihren Forderungen nachhaltige Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen zu erreichen.



