München – Veränderungen brauchen auch Raum – das ist die Botschaft von Markus Kauczinski, Trainer des TSV 1860 München, angesichts des jüngsten Kader-Knalls. Vor dem Duell gegen den Abstiegskandidaten SSV Ulm verteidigt er die Entscheidung, Kapitän Jesper Verlaat und fünf weiteren Spielern mitzuteilen, dass ihre Verträge nicht verlängert werden. „Das ist ganz normal“, sagt Kauczinski.
Der nächste große Umbruch bei den Löwen
Erst Mitte Februar hatte Manfred Paula, Sportboss der Löwen, gegenüber der AZ betont, man wolle „vermeiden, den nächsten großen Umbruch zu gestalten“. Damals hieß es, die 28 Neuzugänge in eineinhalb Jahren seien genug. Doch nun folgt der nächste Einschnitt: Jesper Verlaat, Thore Jacobsen, Raphael Schifferl, David Philipp, Maximilian Wolfram und Morris Schröter wurden in kurzen Gesprächen informiert, dass ihre Zeit bei 1860 endet. Besonders die Kapitäne Verlaat und Jacobsen sowie Schifferl traf es überraschend.
Kauczinski: „Wir hatten das Gefühl, Dinge verändern zu müssen“
Der Cheftrainer beschwichtigt: „Wir haben das gemeinsam entschieden. Ich weiß nicht, ob sechs Abgänge jetzt wirklich viel sind.“ Hinzu kommt mit Junglöwe Clemens Lippmann ein siebter Abgang. Kauczinski erklärt: „Es stehen immer Entscheidungen an, wir hatten das Gefühl, Dinge verändern zu müssen, um erfolgreich zu sein. Veränderungen brauchen auch Raum.“ Der Knall sei „emotional schwer, menschlich schwer, aber in der Sache muss man sich dann einfach irgendwann entscheiden.“
Paula hatte zuvor in einer Videobotschaft die defensive und passive Spielweise kritisiert und angekündigt: „Wir müssen gewisse Dinge verändern, um erfolgreich zu sein. Dazu gehört, dass nach Ballgewinn sofort der erste Gedanke in Richtung gegnerische Hälfte geht. Ballsicherung nur, wenn es keine Möglichkeit für den ersten Pass nach vorne gibt.“
Kommunikationsstil bleibt umstritten
Kauczinski spricht den Abgängen weder Führungsqualitäten noch Mentalität oder fußballerische Fähigkeiten ab. Die gesamte Mannschaft habe nicht konstant genug agiert. Zeitpunkt und Stil der Kommunikation seien „ein ganz normaler Prozess“. Jeder Profi wisse, dass ein Vertrag auch mal nicht verlängert wird. Kapitän Verlaat, seit 2022 Abwehrchef und Identifikationsfigur, sagte auf AZ-Anfrage: „Ich muss die Nachricht erst einmal verarbeiten.“ Jacobsens Berater Danny Bachmann kritisierte: „Über den Stil der Kommunikation muss letztlich jeder selbst entscheiden.“ Paula sei nicht einmal für Verhandlungen erreichbar gewesen.
Aufstellung nach Leistung – auch gegen Ulm
Vergangene Woche hatten Paula, Kauczinski und Präsident Gernot Mang eine Strategie-Sitzung abgehalten. Fraglich ist, wie die geschassten Spieler gegen das abstiegsbedrohte Ulm oder im Totopokal-Finale gegen die Würzburger Kickers (23. Mai) auflaufen sollen, wenn sie keine Perspektive mehr haben. Kauczinski stellt klar: „Ich stelle weiter nach Leistung auf“ und kündigt den Einsatz von Noch-Kapitän Jacobsen an. „Meine Erwartung ist, dass alle Spieler weiter Gas geben.“ Mit Tim Danhof, dem Mann für die rechte Schiene, stehe man noch im Austausch über eine Vertragsverlängerung. Paula hatte im Februar betont: „Man muss einfach wissen, dass wir intern einen Wissensvorsprung haben.“ Ob damit der künftig wohl um zwei Millionen reduzierte Etat gemeint ist oder die Überzeugung, dass junge Spieler besser performen, bleibt offen.



