Exportwirtschaft fordert internationale 'Handels-Nato' gegen protektionistische Zölle
Die deutsche Exportwirtschaft, die zunehmend unter Druck gerät, fordert eine internationale Allianz, um den freien Handel gegen protektionistische Zölle zu verteidigen. Dirk Jandura, der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, legte eine gewagte Idee auf den Tisch: eine "Handels-Nato" aus der Europäischen Union und weiteren Staaten, um Zölle wie unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump abzuwehren. "Wenn Zölle als politische Waffe genutzt werden, kann Europa gemeinsam gegensteuern", betonte Jandura. Er machte deutlich, dass Machtpolitik per Zoll-Diktat keinen Platz mehr haben dürfe.
Deutsche Exporteure in Bedrängnis
Der BGA warnt davor, dass deutsche Exporteure auf den Weltmärkten zunehmend in Bedrängnis geraten. Der Verband erwartet, dass die deutschen Exporte, die im Jahr 2025 um ein Prozent wuchsen, im Jahr 2026 nur noch leicht um 0,6 Prozent zulegen werden. Im Gegensatz dazu dürften die Importe deutlich um 3 Prozent steigen. "Der starke Euro schmälert die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter auf preissensiblen Märkten und frisst Margen auf", erklärte Jandura. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Herausforderung für die Exportwirtschaft dar.
Konzept einer Handels-Nato mit Beistandsklausel
Die vorgeschlagene "Handels-Nato" könnte nach Janduras Vorstellung in einer Welt der Abschottung helfen. Das Bündnis könnte aus der EU mit Staaten der Transpazifischen Freihandelszone CPTPP bestehen, zu der Länder wie Australien, Kanada und Japan gehören. Ausgeschlossen wären nach dieser Idee Russland, die USA und China. Das Bündnis könnte mit einem Artikel-5-Mechanismus, angelehnt an die militärische Beistandsklausel der Nato, auf Zollangriffe gemeinsam reagieren.
Zollangriffe, die den Prinzipien der Welthandelsorganisation WTO widersprechen, würden dann als Angriff auf alle Mitglieder gewertet und kollektive Gegenmaßnahmen auslösen. Diese könnten Gegenzölle, Digitalsteuern oder ähnliche Maßnahmen umfassen, wie Jandura dem "Handelsblatt" erläuterte. Dieser Ansatz zielt darauf ab, eine einheitliche Front gegen protektionistische Maßnahmen zu bilden.
Hintergrund des Vorstoßes
Hintergrund dieses Vorstoßes ist der anhaltende Zollstreit mit den USA, der dazu führte, dass die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten im Jahr 2025 um gut neun Prozent sanken. Ebenso deutlich gingen die Ausfuhren nach China zurück, während die Volksrepublik auch aufgrund der US-Zölle oft billige Waren im großen Stil nach Europa exportiert. Zugleich gilt die Welthandelsorganisation WTO, einst Garant für Freihandel, seit Jahren als handlungsunfähig, weil ihr Eingreifen von wichtigen Mitgliedern blockiert wird, nicht zuletzt von den USA.
Die deutschen Exporteure stehen somit unter erheblichem Druck, konnten aber im Jahr 2025 dennoch leicht zulegen. Die vorgeschlagene "Handels-Nato" soll dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen und den freien Handel zu schützen. Diese Initiative unterstreicht die Dringlichkeit, internationale Handelskonflikte anzugehen und neue Strategien zur Stärkung der Exportwirtschaft zu entwickeln.



