Französischer Frachter durchbricht iranische Blockade der Straße von Hormus
In einer bemerkenswerten Entwicklung hat ein Containerschiff des französischen Schifffahrtskonzerns CMA CGM die seit Kriegsbeginn von Iran blockierte Straße von Hormus durchquert. Damit handelt es sich um den ersten Frachter eines europäischen Eigners, dem diese Passage seit Ausbruch des Irankrieges Ende Februar gelungen ist. Die Meerenge war eigentlich für Schiffe europäischer Eigentümer gesperrt, was zu erheblichen Störungen im weltweiten Handel führte.
Neue Route durch iranische Hoheitsgewässer
Das unter maltesischer Flagge fahrende Schiff sendete anstelle seines ursprünglichen Fahrtziels die ungewöhnliche Botschaft "französischer Eigentümer" aus. Dies geht aus den am Freitag ausgewerteten Daten der Schifffahrtswebsite MarineTraffic hervor. Die Navigationsaufzeichnungen zeigen deutlich, dass der Frachter am Donnerstag eine neu eingerichtete, von Iran offiziell genehmigte Route durch dessen territoriale Gewässer nutzte.
Mehrere Handelsschiffe haben bereits diese alternative Passage in der Nähe der iranischen Insel Larak befahren. Experten der renommierten Schifffahrtszeitschrift Lloyd's List berichten, dass mindestens zwei Frachter für die Nutzung dieser Route Gebühren an iranische Stellen entrichtet haben müssen.
Internationale Reaktionen und wirtschaftliche Auswirkungen
Die meisten Schiffe, die seit Anfang März die eigentlich blockierte Meerenge passieren konnten, stammten entweder direkt aus Iran oder unterhielten Verbindungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, China oder Saudi-Arabien. Peking äußerte erst am Dienstag seinen offiziellen Dank, nachdem drei chinesische Frachter die Straße von Hormus erfolgreich durchquert hatten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bot währenddessen die Unterstützung seines Landes bei einer möglichen Öffnung der strategisch wichtigen Wasserstraße an. In einem am Freitag veröffentlichten Interview erklärte Selenskyj, er habe bei seinem Besuch in den Golfstaaten in der vergangenen Woche seinen Gesprächspartnern mitgeteilt: "Die Ukraine ist bereit, mit allem in Bezug auf Verteidigung zu helfen." Der Präsident verwies dabei auf die wertvollen Erfahrungen der Ukraine im Schwarzen Meer, das Russland zu Beginn des Ukrainekrieges ebenfalls zu blockieren versucht hatte.
Dramatische Folgen für die Weltwirtschaft
Normalerweise transportieren Handelsschiffe etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssigerdgases durch die engste Stelle des Persischen Golfs. Seit Beginn des Irankrieges ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus jedoch weitgehend zum Erliegen gekommen. Aktuell stecken rund 2000 Handelsschiffe im Persischen Golf fest, was erhebliche Auswirkungen auf globale Lieferketten hat.
Die iranische Blockade hat zu einem dramatischen Anstieg der Erdölpreise geführt und die Kosten für Schiffsversicherungen sowie Treibstoff in bisher unbekannte Höhen getrieben. Reedereien geben diese Preissteigerungen direkt an ihre Kunden weiter, was sich wiederum auf Verbraucherpreise weltweit auswirkt.
Diplomatische Verhandlungen im Uno-Sicherheitsrat
Der Uno-Sicherheitsrat verschob unterdessen eine für Freitag angesetzte wichtige Abstimmung. Zur Debatte stand eine vom Golfkooperationsrat geforderte Freigabe für den Einsatz von Waffengewalt zur Sicherung der Straße von Hormus. Die Vetomächte Russland, China und Frankreich hatten erhebliche Bedenken gegen diesen Vorstoß geäußert und damit eine sofortige Entscheidung verhindert.
Bereits zuvor hatten rund 40 Staaten in einer gemeinsamen Erklärung die "sofortige und bedingungslose" Öffnung der strategisch wichtigen Meerenge gefordert. Bahrain brachte zudem einen Resolutionsentwurf ein, der den Uno-Sicherheitsrat aufforderte, über den Einsatz von Gewalt in der Straße von Hormus abzustimmen.
Wirtschaftsinstitute warnen in aktuellen Gutachten, dass die aktuelle Krise erst der Anfang weitreichender wirtschaftlicher Verwerfungen sein könnte. Die Sperrung einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt zeigt, wie fragil globale Lieferketten in Zeiten geopolitischer Spannungen tatsächlich sind.



