Gewerkschaft fordert mehr Flexibilität beim geplanten Verbrenner-Aus
Die Fronten im politischen Streit um das geplante Aus für Verbrennungsmotoren verhärten sich zunehmend. Eine überraschende Wendung kommt dabei aus dem Gewerkschaftslager: Die mächtige IG Metall positioniert sich in zentralen Fragen deutlich näher an der Union als an ihrer traditionellen Verbündeten, der SPD.
IG Metall-Chefin Christiane Benner drängt auf Lockerung der EU-Regeln
Christiane Benner (58), die Vorsitzende der IG Metall, fordert in der aktuellen Debatte „mehr Flexibilität“ für die deutsche Automobilindustrie. Die Gewerkschaftschefin betont zwar grundsätzlich die Notwendigkeit eines klaren Kurses in Richtung Elektromobilität, warnt jedoch gleichzeitig vor den gravierenden Folgen für Beschäftigte.
„Gerade in der Zulieferindustrie drohen massive Jobverluste, wenn der Übergang zu schnell vollzogen wird“, so Benner. Die IG Metall setzt sich deshalb dafür ein, dass neben reinen Elektrofahrzeugen auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit sogenannten Reichweitenverlängerern länger erlaubt bleiben sollten.
SPD kritisiert CDU scharf – Gewerkschaft sorgt für politische Überraschung
SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff (43) hatte zuvor die Position der Union scharf kritisiert. „Die ständigen neuen Änderungswünsche beim Verbrenner-Aus schaden dem Standort Deutschland“, erklärte der Sozialdemokrat. Was die deutsche Industrie jetzt dringend benötige, sei Planungssicherheit und volle Konzentration auf die Antriebswende.
Doch genau hier kommt unerwarteter Gegenwind aus den eigenen Reihen: Die IG Metall, traditionell eng mit der SPD verbunden, stellt sich in dieser Frage deutlich auf die Seite der Union. CDU-Klimapolitiker Mark Helfrich (47) fordert ebenfalls „größtmögliche Flexibilität“, um Klimaschutzziele und den Erhalt von Arbeitsplätzen in Einklang zu bringen.
Hintergrund: EU-Verbrenner-Aus ab 2035 mit möglichen Abschwächungen
Im Zentrum der Debatte steht das geplante EU-Verbrenner-Aus ab dem Jahr 2035. Die Europäische Kommission hatte zuletzt eine mögliche Abschwächung der ursprünglichen Pläne vorgeschlagen:
- Statt eines vollständigen Verbots von Verbrennungsmotoren
- Sollen die Emissionen der Herstellerflotten um 90 Prozent gegenüber 2021 sinken
- Dies würde bestimmte Ausnahmen und Übergangsfristen ermöglichen
Ein zusätzliches Konfliktpotenzial droht innerhalb der Bundesregierung: Sollte sich die Ampel-Koalition nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können, müsste Deutschland sich im EU-Ministerrat enthalten – ein Szenario, vor dem sowohl SPD als auch Union gleichermaßen warnen.
Die Position der IG Metall unterstreicht die tiefe Spaltung in der deutschen Automobilpolitik. Während Umweltverbände und Teile der Politik auf einen schnellen Umbau drängen, warnen Gewerkschaften und Teile der Industrie vor zu abrupten Veränderungen, die zehntausende Arbeitsplätze gefährden könnten.



