Deutsche Autokäufer blicken zunehmend nach Osten
Chinesische Automobilhersteller gewinnen auf dem europäischen Markt spürbar an Bedeutung. Eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Horváth zeigt deutlich, dass sich die Einstellung deutscher Verbraucher gegenüber Fahrzeugen aus China grundlegend wandelt. Während Anfang 2024 lediglich 37 Prozent der Befragten chinesische Modelle in Betracht zogen, sind es heute bereits 52 Prozent. Das entspricht einem bemerkenswerten Anstieg von 15 Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren.
Attraktive Preise gegen anhaltende Skepsis
Die Hauptargumente für chinesische Fahrzeuge liegen auf der Hand: Günstige Preise und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis locken viele potenzielle Käufer. Auch die technische Leistung und das moderne Design der Modelle werden von den Studienteilnehmern positiv bewertet. Dennoch existieren erhebliche Vorbehalte. Ganze 44 Prozent der Interessenten fürchten mögliche Qualitätsmängel, und 29 Prozent haben generell ein geringes Vertrauen in die Marken aus Fernost. Zudem sorgt sich etwa ein Viertel der Befragten um den Datenschutz in den zunehmend vernetzten Fahrzeugen.
Georg Mrusek von Horváth kommentiert diese Entwicklung gegenüber BILD: „Chinesische Hersteller gewinnen in Europa an Bedeutung und treffen auf offenere Kunden. Das zeigt die Neuordnung der globalen Automobilindustrie.“ Diese Neuordnung wird durch die wachsenden Marktanteile untermauert.
Europas Märkte im Wandel
Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der europäische Marktanteil chinesischer Automobilhersteller ist von bescheidenen 2,7 Prozent im ersten Quartal 2024 auf beachtliche 8,0 Prozent im vierten Quartal 2025 gestiegen. Besonders erfolgreich sind die Modelle in Großbritannien, Spanien und Italien. In Norwegen, einem Vorreiterland für Elektromobilität, erreichen sie sogar einen Anteil von 13,8 Prozent am Gesamtmarkt.
In Deutschland gestaltet sich die Situation hingegen anders. Hier liegt der Marktanteil aktuell noch bei überschaubaren 2,4 Prozent. Mrusek erklärt diesen Unterschied: „Deutschland bleibt ein harter Markt. Starke heimische Marken und hohe Kundenanforderungen machen den Durchbruch der chinesischen Hersteller hier schwieriger.“ Die etablierten deutschen Automobilmarken und das anspruchsvolle Publikum stellen eine hohe Hürde dar.
Bekanntheitsgrad als entscheidende Hürde
Ein weiteres Problem für die chinesischen Anbieter ist der mangelnde Bekanntheitsgrad. Unter den in Deutschland aktiven Herstellern führte im Gesamtjahr 2025 MG Motor mit 26.479 verkauften Fahrzeugen. BYD folgte mit 23.306 Neuzulassungen und einem enormen Wachstum von über 706 Prozent. Die Hersteller Leapmotor und XPeng landeten auf den Plätzen drei und vier mit deutlich geringeren Verkaufszahlen.
Die Studie offenbart jedoch eine große Wissenslücke bei den Verbrauchern: Die meisten chinesischen Marken sind den deutschen Käufern schlichtweg unbekannt. Lediglich die Marken Smart und BYD sind mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer ein Begriff. Dieser fehlende Bekanntheitsgrad stellt eine erhebliche Herausforderung für den weiteren Markterfolg dar.
Die Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Die Akzeptanz für chinesische Automobile in Deutschland wächst, getrieben von attraktiven Preisen und moderner Technik. Gleichzeitig müssen die Hersteller aus Fernost weiter an ihrem Image arbeiten, um die bestehenden Qualitäts- und Datenschutzbedenken der deutschen Kunden auszuräumen und ihre Marken bekannter zu machen.



