Umwelt- und Aktionärsverband kritisieren Mercedes-Dividende vor Hauptversammlung
Vor der Hauptversammlung von Mercedes-Benz am Donnerstag haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre die Dividendenpolitik des Stuttgarter Autobauers scharf kritisiert. In einer gemeinsamen Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag, bezeichnen die Verbände die geplante Ausschüttung als unverhältnismäßig hoch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Unternehmens.
Kritik an Dividendenhöhe und Elektroauto-Anteilen
Die Organisationen bemängeln nicht nur die Höhe der Dividende, sondern auch den damit verbundenen Mittelabfluss aus dem Unternehmen. Gleichzeitig kritisieren sie die zu geringen Elektroauto-Anteile in der Mercedes-Flotte. Statt hoher Ausschüttungen an Aktionäre fordern BUND und Kritische Aktionäre verstärkte Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen und den Ausbau der Elektromobilität.
Nach Angaben von Mercedes-Benz sollen Aktionärinnen und Aktionäre eine Dividende von 3,50 Euro pro Aktie erhalten. Insgesamt würde dies eine Ausschüttung von mehr als 3,3 Milliarden Euro bedeuten. Der entsprechende Vorschlag zur Verwendung des Bilanzgewinns muss allerdings noch auf der Hauptversammlung beschlossen werden. Im Vergleich zum Vorjahr, als die Dividende bei 4,30 Euro pro Aktie lag, fällt die geplante Ausschüttung damit deutlich niedriger aus.
Verbände fordern strategischen Kurswechsel
„Absatzkrise, Gewinnrückgang und sinkende Rentabilität fordern dringend einen Kurswechsel vom Vorstand“, erklärte Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim BUND und Vorstand beim Aktionärsverband. Nach Ansicht der Kritiker würden Investitionen in Klimaschutz und Elektromobilität nicht nur der Umwelt dienen, sondern auch Arbeitsplätze und den Standort Deutschland sichern.
Mercedes-Chef Ola Källenius betonte in seinem bereits veröffentlichten Redetext zur Hauptversammlung hingegen: „CO2-Neutralität bleibt das langfristige Ziel unserer Strategie.“ Elektromobilität bezeichnete er als wichtigste Technologie auf dem Weg dorthin. Källenius verwies darauf, dass Mercedes in diesem Jahr deutlich mehr als zehn Milliarden Euro investiere, vor allem in neue Technologien.
Mercedes trotz Herausforderungen solide aufgestellt
Der Vorstandsvorsitzende unterstrich die finanzielle Stabilität des Unternehmens: Mercedes sei heute sehr solide aufgestellt, mit einer Nettoliquidität von mehr als 32 Milliarden Euro. „Trotz massiver Investitionen, verlässlicher Dividenden und Aktienrückkäufe“, so Källenius.
Trotz der niedrigeren Dividende im Vergleich zum Vorjahr bleibt Mercedes-Benz einer der Dividendenkönige unter den DAX-40-Unternehmen. Nach kürzlich veröffentlichten Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY schütten voraussichtlich nur die Allianz, Deutsche Telekom und Siemens in diesem Jahr noch höhere Summen an ihre Aktionäre aus.
Gewinneinbrüche und Absatzrückgänge belasten Konzern
Die Kritik der Verbände kommt in einer wirtschaftlich schwierigen Phase für den Autobauer. Im Jahr 2025 hatte sich das Konzernergebnis von Mercedes-Benz im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert, lag aber mit 5,3 Milliarden Euro noch immer auf beachtlichem Niveau. Bereits 2024 war das Ergebnis um gut 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro gefallen.
Auch beim Absatz verzeichnete Mercedes im vergangenen Jahr deutliche Verluste. Der Autobauer verkaufte etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent entsprach. Von diesen Fahrzeugen waren lediglich 168.800 vollelektrisch – also nicht einmal jeder zehnte Wagen.
Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hatte Mercedes-Benz bereits ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt, um die Profitabilität des Unternehmens wieder zu steigern. Die aktuelle Debatte um die Dividendenhöhe zeigt jedoch, dass die Erwartungen von Umweltverbänden und kritischen Aktionären an die Unternehmensstrategie weiterhin deutlich auseinandergehen.



