Jamal Musiala ist zurück auf dem Platz – doch die Rückkehr des Bayern-Stars gleicht einem Spagat zwischen Zuversicht und Besorgnis. Während der 23-Jährige nach seiner Verletzung zunehmend an alter Stärke gewinnt, bleibt der Verein aus guten Gründen zurückhaltend.
Die Szene in Leverkusen
Es war die 19. Minute im Pokalhalbfinale zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern, als Jamal Musiala das Spiel an sich reißen wollte. Doch Robert Andrich hatte etwas dagegen: Der 31-Jährige attackierte seinen Nationalmannschaftskollegen gleich zweimal hintereinander äußerst robust. Musiala sank zu Boden, schrie vor Schmerzen – aber er konnte weiterspielen. Besonders auffällig war die emotionale Reaktion von Vincent Kompany. Der Bayern-Trainer schrie vor Wut. Nicht nur, weil er eine Gelbe Karte für Andrich gefordert hätte. Nein, er ist weiterhin in brennender Sorge um seinen Schützling, der bald wieder zu „Magic Musiala“ werden soll – so hatte es der Coach zuvor formuliert.
Zwischen Angst und Risiko
Im Fall des Kreativkünstlers bewegen sich die Münchner irgendwo zwischen Angst und Risiko. Seit Jahresbeginn gab es genügend Rückschläge für Musiala. Noch ist Vorsicht geboten. Sportvorstand Max Eberl sagte nach der Partie: „Jamal war gut heute, das war deutlich. Man kann sehen, dass seine Spielfreude langsam zurückkommt. Jedes Spiel, jede Minute hilft ihm.“ Auch Kompany sieht einen Aufwärtstrend, auch wenn Musiala noch nicht wieder der Alte zu sein scheint: „Er spielt in den letzten Wochen vom Gefühl her wieder befreit“, erklärte der Coach.
Mutiger, aber verletzlich
In der Tat: Musiala ist mutiger als noch im Februar, traut sich mehr und fordert konsequenter die Bälle. Zudem geht der 23-Jährige wieder mehr Risiken ein. Trotzdem ist bei den Verantwortlichen – auch hinter den Kulissen – noch Verunsicherung zu vernehmen. Am liebsten würde man den Bayern-Star in Watte packen. Das Problem: Die Gegner kennen Musialas Verletzungsgeschichte und nutzen sie aus. In Leverkusen war es Andrich, in den Spielen gegen Real Madrid in der Champions League kümmerten sich gleich mehrere Spieler um ihn und gingen entsprechend hart in die Zweikämpfe.
Schonung keine Option
Musiala komplett zu schonen, ist trotzdem keine Option. Serge Gnabry fällt wegen eines Adduktorenabrisses für den Rest der Saison aus, Lennart Karl laboriert noch an einem Muskelfaserriss. Immerhin trainiert der Youngster wieder mit Ball und könnte im Hinspiel des Halbfinals in der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain wieder im Kader stehen. Doch auch hier geht Kompany vorsichtig vor: „Es geht erstmal darum, dass er gesund zurückkommt. Es gibt immer eine Phase in einer Saison, in der es um die Preise geht – das ist Teil einer Karriere. Aktuell wollen wir aber nicht zu viel Risiko eingehen.“ Karl könne bei der Reintegration in den Kader zunächst mit kürzeren Einsätzen rechnen, so der Trainer.
Blick nach Mainz
Angesichts der Tatsache, dass es am Wochenende in der Bundesliga nach Mainz geht, wäre zumindest das dringend nötig. Dass Musiala innerhalb von sieben Tagen gleich dreimal fast über die gesamte Distanz auf dem Platz stehen kann, bleibt nämlich fraglich. Die Bayern hoffen auf eine schrittweise Steigerung, ohne das Risiko eines erneuten Rückschlags einzugehen.



