Tankrabatt ab Mai: Verzögerte Wirkung und mögliche Versorgungsengpässe drohen
Tankrabatt: Verzögerung und Versorgungsrisiken drohen

Tankrabatt ab Mai: Verzögerte Wirkung und mögliche Versorgungsengpässe drohen

Der für den 1. Mai 2026 geplante "Tankrabatt" könnte erst mit erheblicher Verspätung bei den Verbrauchern ankommen und im schlimmsten Fall sogar kurzfristige Versorgungsengpässe verursachen. Davor warnen mehrere Branchenverbände eindringlich. Die aktuellen Zahlen des ADAC zeigen zudem, dass der Abwärtstrend der Spritpreise deutlich an Schwung verloren hat.

Steuersystematik als Hauptproblem

Im Gesetzentwurf für den Tankrabatt heißt es bereits: "Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Steuersatzsenkung verzögert und schleichend in den Verbrauchspreisen widerspiegelt." Diese Bedenken erinnern an ähnliche Probleme beim Tankrabatt im Jahr 2022. Die schwarz-rote Koalition plant, die Steuern auf Diesel und Benzin für zwei Monate um jeweils etwa 17 Cent brutto pro Liter zu senken. Allerdings wird die Energiesteuer bereits bei der Lieferung des Kraftstoffs an die Tankstelle fällig.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärt in einer Stellungnahme für den Finanzausschuss des Bundestags: "Sämtliche Kraftstoffe, die bis zum Stichtag 1. Mai in den Tanks liegen, sind noch mit dem normalen, höheren Betrag belegt." Das bedeutet konkret, dass die Tanks der Tankstellen am 1. Mai in unterschiedlichem Umfang noch mit normal versteuertem Benzin und Diesel gefüllt sein werden.

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Finanzielle Zwickmühle für Tankstellenbetreiber

Für Tankstelleninhaber entsteht durch diese Steuersystematik eine schwierige Situation. Einerseits ist es finanziell vorteilhaft, mit möglichst niedrigen Beständen in den 1. Mai zu starten, um nicht auf der höheren Energiesteuer sitzen zu bleiben. Andererseits warnt der Branchenverband bft, der die freien Tankstellen vertritt: "Wenn alle Tankstellen so vorgehen, könnte dies zusammen mit den eingeschränkten Liefermöglichkeiten am langen Wochenende für ernsthafte Versorgungsprobleme sorgen."

Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des bft, verdeutlicht das Dilemma: "Für eine sichere Versorgung müssten die Tankstellen zum 1. Mai eigentlich volle Tanks haben. Auf der darin enthaltenen hohen Energiesteuer bleiben sie ohne Ausgleich aber sitzen. Wer vernünftig bevorratet, trägt das wirtschaftliche Risiko. Wer Bestände niedrig hält, riskiert Versorgungsprobleme." Der Verband schlägt daher vor, den Rabattstart auf den 4. Mai zu verschieben, um zumindest teilweise Entlastung zu schaffen.

ADAC sieht geringeres Risiko

Beim ADAC bewertet man die Situation anders. Ein Sprecher des Automobilclubs hält Versorgungsengpässe für unwahrscheinlich: "Das wurde auch 2022 befürchtet, ist aber damals nicht eingetreten." Im Jahr 2022 startete der Tankrabatt an einem normalen Mittwoch, und nennenswerte Versorgungsprobleme blieben aus, obwohl der Preisunterschied bei E10 mit über 35 Cent mehr als doppelt so hoch war wie der aktuell geplante.

Interessant ist zudem der spiegelbildliche Effekt: Die Belastung der Mineralölindustrie durch höher versteuerten Sprit zu Beginn des Rabatts wird am Ende des Rabatts ausgeglichen. Dann können Tankstellen ihre Lager noch vor dem Stichtag mit steuerlich günstigem Sprit füllen und ihn anschließend zu mutmaßlich höheren Preisen verkaufen.

Preisentwicklung zeigt Stagnation

Unterdessen hat die Talfahrt der Spritpreise deutlich an Dynamik verloren. Die aktuellen ADAC-Daten zeigen, dass sich die Preissenkungen verlangsamt haben. Am Sonntag vor der Ankündigung hatte sich E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch minimal um 0,2 Cent auf 2,059 Euro pro Liter verbilligt. Diesel wurde um 1,2 Cent auf 2,152 Euro günstiger.

Rund um den kräftigen mittäglichen Preissprung am Montag deuteten die Zahlen nur noch bei Diesel nach unten. Superbenzin der Sorte E10 war nach dem Sprung sogar minimal teurer als zur gleichen Zeit am Vortag. Diese Entwicklung könnte auf eine bevorstehende Stagnation oder sogar wieder steigende Preise für Benzin hindeuten.

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Historische Erfahrungen aus 2022

Die Erfahrungen aus dem Tankrabatt von 2022 zeigen interessante Muster. Die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise für E10 sanken damals zu Beginn binnen eines Tages um gut 27 Cent und stiegen am Ende um 23 Cent - obwohl der Steuerunterschied bei rund 35 Cent lag. Bei Diesel ging es zu Beginn um knapp 12 Cent nach unten und am Ende um knapp 9 Cent nach oben, bei einem Steuerunterschied von etwa 17 Cent.

Diese Daten verdeutlichen, dass die tatsächlichen Preisbewegungen an den Tankstellen sowohl zu Beginn als auch am Ende des Rabatts niedriger ausfielen als die rein steuerlichen Änderungen. Vor und nach den Stichtagen gab es damals jedoch kräftige Preisbewegungen, die über die reine Steueranpassung hinausgingen.

Die aktuelle Diskussion zeigt, dass die komplexe Steuersystematik und die wirtschaftlichen Interessen der Tankstellenbetreiber eine schnelle und reibungslose Umsetzung des Tankrabatts erschweren könnten. Verbraucher sollten sich daher auf eine möglicherweise verzögerte Wirkung der Preissenkungen einstellen.