VW-Dieselskandal: Gerichtsverfahren ziehen sich weiter - Neue Prozesse in Braunschweig
VW-Dieselskandal: Gerichtsverfahren ziehen sich weiter

VW-Dieselskandal: Juristische Aufarbeitung bleibt langwieriger Prozess

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Auffliegen des Dieselskandals bei Volkswagen ist die juristische Aufarbeitung bei weitem nicht abgeschlossen. Die Gerichtsverfahren ziehen sich weiter hin und belasten den Autokonzern nachhaltig. Am Landgericht Braunschweig startet heute ein weiterer großer Betrugsprozess, der die anhaltenden rechtlichen Konsequenzen des Skandals verdeutlicht.

Dritter Großprozess in Braunschweig beginnt

Zum dritten Mal kommt ein Verfahren mit mehreren Angeklagten im Zusammenhang mit den VW-Abgasmanipulationen vor eine Braunschweiger Strafkammer. Fünf Personen, darunter ehemalige Mitarbeiter von Volkswagen und einem Zulieferer, müssen sich wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug verantworten. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen, falls sie schuldig gesprochen werden.

Der Prozess dreht sich erneut um die berüchtigte Abschaltsoftware, die Millionen von Fahrzeugen der Volkswagen-Gruppe auf Prüfständen bessere Abgaswerte vortäuschte als im realen Straßenverkehr. Den Käufern entstand dadurch nach Ansicht der Anklage ein Milliardenschaden. Die Angeklagten sollen zwischen 2006 und 2015 an der Entwicklung dieser Software mitgewirkt oder diese unterstützt haben, um über Gehalts- und Bonuszahlungen von den Unternehmensgewinnen zu profitieren.

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Bereits laufende Verfahren und frühere Urteile

Parallel zu diesem neuen Prozess laufen bereits andere Verfahren weiter. Seit November 2025 findet in Braunschweig ein zweiter Betrugsprozess gegen fünf weitere Angeklagte statt, darunter ehemalige Führungskräfte von Volkswagen. Ihnen werden Betrug, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen. Für dieses Verfahren sind noch zahlreiche Verhandlungstermine bis mindestens Ende 2026 geplant.

Der erste große Betrugsprozess in Braunschweig endete im Mai 2025 mit Verurteilungen. Zwei Angeklagte erhielten Haftstrafen, zwei weitere Bewährungsstrafen. Die Verurteilten sehen sich jedoch als Bauernopfer und haben Revision eingelegt, sodass eine endgültige Entscheidung noch aussteht. Das ursprünglich mitangeklagte Verfahren gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wurde aus gesundheitlichen Gründen vorläufig eingestellt.

In München fiel bereits das erste rechtskräftige strafrechtliche Urteil im Dieselskandal: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einer Zahlung von 1,1 Millionen Euro verurteilt.

Anlegerprozess mit milliardenschwerem Streitwert

Neben den Strafverfahren bleibt der Anlegerprozess von großer Bedeutung für Volkswagen. Seit 2018 wird vor Gericht um Schadenersatz für Investoren gestritten, die nach der Aufdeckung des Skandals Kursverluste erlitten haben. Rund 2.000 Verfahren mit etwa 3.400 Klageparteien und einem Streitwert von etwa 4,3 Milliarden Euro sind in diesem Musterprozess zusammengefasst.

„Die anhaltenden Gerichtstermine zeigen übergeordnet, dass der Dieselskandal eine langfristige Altlast des Konzerns ist und damit auch ein relevanter Reputationsfaktor“, erklärt Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule Wolfsburg. Sie geht davon aus, dass sich sowohl die Strafprozesse als auch das Investorenverfahren noch lange hinziehen werden.

Auswirkungen auf Zulieferer und internationale Dimension

Der Skandal wirkt sich nicht nur auf Volkswagen aus, sondern betrifft auch Zulieferer. In Hannover ist ein Prozess gegen vier frühere Führungskräfte von Continental geplant, denen Beihilfe zu etwa drei Millionen Betrugsfällen vorgeworfen wird. Auch dieses Verfahren wird voraussichtlich nicht schnell abgeschlossen werden, da die Beweislage komplex ist.

International hatte der Skandal bereits erhebliche Konsequenzen: In den USA, wo der Skandal 2015 durch die Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht wurde, zahlte Volkswagen mehr als 20 Milliarden Dollar an Strafen und Entschädigungen. Mehrere frühere VW-Mitarbeiter erhielten dort bereits lange Gefängnisstrafen.

Die juristische Aufarbeitung des VW-Dieselskandals bleibt somit ein langwieriger Prozess, der den Konzern und die gesamte Automobilbranche noch Jahre beschäftigen wird.

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