VW kehrt zu physischen Knöpfen zurück: Markenchef Schäfer kritisiert Touchscreen-Ära
VW kehrt zu physischen Knöpfen zurück: Schäfer kritisiert Touchscreen-Ära

VW-Markenchef holt die Knöpfe zurück: Touchfunktionen sind von gestern

Die Bedienung kam bei den Kunden nicht gut an: Cockpit eines VW Golf GTD aus dem Jahr 2020. Foto: Volkswagen. Raphael Schuderer. New Mobility bei AUTO BILD. 01.04.2026 - 12:54 Uhr. TTS-Player überspringen. Artikel weiterlesen.

„Es war klar, dass wir unseren Kern aus den Augen verloren hatten.“ VW-Markenchef Thomas Schäfer (56) nahm während einer Modellpräsentation in Hamburg kein Blatt vor den Mund. Schäfer übte harte Selbstkritik an einigen VW-Entscheidungen der jüngsten Vergangenheit: „Wir werden echte Knöpfe und echte Namen zurückbringen, für Autos, die man sofort versteht“, versprach der Topmanager gegenüber dem britischen Autoportal „Top Gear“.

Volkswagen lernt aus Fehlern

Volkswagen habe aus der Fehlentscheidung, viele physische Tasten in den jüngeren Modellen wegzulassen, gelernt. Schäfer, seit Mitte 2022 an der Spitze der Marke VW: „Früher haben wir eine lange Liste mit Anforderungen und Funktionen erstellt, aber die Menschen fühlten sich mit dem Endprodukt nicht wohl. Jetzt denken wir an die Menschen. Für wen ist das Auto gedacht? Wer fährt es?“

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Kritik an umständlicher Bedienung

Der Golf 8 und andere VW-Modelle wurden für die umständlichen, ablenkenden und fehleranfälligen Funktionen kritisiert. Hier einige Beispiele:

  • Die Touchbedienung am Lenkrad wurde oft unabsichtlich angesteuert.
  • Die ablenkenden Touchleisten für Klima und Lautstärke kamen ebenfalls nicht gut weg.
  • Eine nachträglich integrierte Beleuchtung half nur bedingt.

Geist von iPhone-ähnlichem Design

Warum der Autobauer bei der Bedienung vielleicht falsch abgebogen sei, wollte „Top Gear“ wissen. Schäfer: „Es herrschte ein Geist von iPhone-ähnlichem Design und Nutzung, der sich in vielen Unternehmen bemerkbar machte. Es war ein wenig schwierig, die Designer von dieser Idee abzubringen.“ Mittlerweile weiß man in Wolfsburg mehr: „Wir führen viele Kundenbefragungen durch und fragen: ‚Wozu brauchen wir einen Knopf?‘ Wir testen mit Daten und nutzen Kameras im Fahrzeug, um zu sehen, was der Kunde nutzt und wohin er schaut.“

Seitenhieb auf frühere Führung

Kai Grünitz, Leiter der technischen Entwicklung bei Volkswagen, fügte hinzu: „Ich arbeite nun seit rund 30 Jahren für Volkswagen. Jeder Volkswagen wurde für den Vorstand und insbesondere für den CEO entwickelt. Glücklicherweise hatten Piëch und Winterkorn ein Gespür dafür, was der Kunde wollte.“ Ein heftiger Seitenhieb auf Ex-VW-Boss Herbert Diess? Der Manager, gesamtverantwortlich für Volkswagen von 2018 bis 2022 und mittlerweile Edelrentner, fehlt in dieser Aufzählung der ehemaligen VW-CEOs und hatte die Bedienung abgesegnet.

ID. Polo als Vorreiter

Der kommende VW ID. Polo geht bereits in diese Richtung: In der Mitte gibt's zwar einen großen Touchscreen. Aber echte Tasten ersetzen die Touchfelder am Lenkrad, die Heizung wird wieder per Kippschalter bedient, und einen physischen Lautstärkeregler gibt es auch. Blick ins Cockpit des kommenden VW ID. Polo: Klimabedienung per echter Tastenleiste unter dem Zentraldisplay, physische Knöpfe am Lenkrad, vier Schalter für vier Fensterheber. Foto: Volkswagen AG.

Branchentrend: Weg von der reinen Touchbedienung

Die Abkehr von übermäßiger Touchbedienung ist in der gesamten Branche zu beobachten:

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  1. „Die Daten zeigen, dass physische Tasten besser sind“, erklärte im September 2025 Magnus Östberg, Software-Chef von Mercedes.
  2. Dass ein Übermaß an Touchfunktionen im Auto problematisch sei, kritisierte wiederholt auch der ADAC.
  3. Die unabhängige Verbraucherschutzinstitution Euro NCAP (die mit den Crashtests) spricht sich ebenso für Benutzerfreundlichkeit aus und gibt seit Beginn 2026 Punktabzüge bei komplizierter oder ablenkender Bedienung.
  4. Die chinesische Regierung hat im Februar 2026 angekündigt, Schalter und Knöpfe zurück ins Auto zu holen. Wichtige Funktionen sollen auch in China künftig immer durch physische Bedienelemente gesteuert werden, um Unfälle zu verhindern.

Hinweis der Redaktion: Die Zitate von „Top Gear“ wurden aus dem Englischen ins Deutsche rückübersetzt. Haben Sie Fehler entdeckt? Möchten Sie etwas kritisieren? Dann schreiben Sie uns gerne!