Die Börsenkurse schießen trotz des Irankriegs in neue Rekordhöhen. Im Interview erklärt Fondsmanager Bert Flossbach die Gründe und spricht über ein Problem, das er beim beliebten Aktienindex MSCI World sieht.
Rekordjagd trotz Krise
Der amerikanische Leitindex S&P 500 hat vor Kurzem einen Rekordstand erreicht. Viele Anleger fragen sich, ob die Aktionäre an kollektivem Realitätsverlust leiden. Flossbach verneint: „Der Irankrieg und der gestiegene Ölpreis werden von einem anderen Thema überstrahlt: Der Boom der künstlichen Intelligenz und der damit verbundenen Investitionen in Datenzentren beflügelt die Fantasie der Aktionäre.“
Geopolitik spielt kaum eine Rolle
Die Internationale Energieagentur spricht von der größten Energiekrise aller Zeiten, die USA und Iran überziehen sich fast täglich mit neuen Drohungen – und all das spielt an der Börse keine Rolle? Flossbach bestätigt: „So ist es zumindest zurzeit.“ Viele Menschen überschätzen die Auswirkungen von Geopolitik auf die Börsen. Auf das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft, das wesentlich durch den KI-Boom getrieben wird, hat der Konflikt kaum einen Einfluss.
Der nüchterne Blick der Finanzmärkte
Man könne den nüchternen Blick der Finanzmärkte auf die Welt gut oder schlecht finden. Aber für viele Menschen in Deutschland oder den USA sind die Konsequenzen des Irankriegs nicht sonderlich groß, sofern er nicht zum Dauerzustand wird. Flossbach warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen: „Die Erwartungen der Anleger sind enorm.“ Dies sei ein Problem, das er beim MSCI World sieht.
Hintergrund: Bert Flossbach
Bert Flossbach, Jahrgang 1961, gilt als einer der prominentesten Fondsmanager in Deutschland. Er ist Co-Gründer der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, die nach eigenen Angaben ein Kundenvermögen von rund 70 Milliarden Euro betreut.



