Volkswagen steht offenbar vor einem ungewöhnlichen Deal: Europas größter Autobauer könnte sein Werk in Osnabrück an den israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Systems abgeben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Unternehmenskreisen sind die Gespräche bereits weit fortgeschritten. Zwei Insider berichten sogar, dass eine Absichtserklärung bereits unterzeichnet wurde.
Offizielle Zurückhaltung
Offiziell halten sich alle Beteiligten bedeckt. Ein Sprecher von Rafael in Deutschland wollte sich nicht äußern. VW-Chef Oliver Blume bestätigt lediglich konstruktive Gespräche mit der Rüstungsindustrie, bleibt bei Details jedoch zurückhaltend. Auch das Verteidigungsministerium schweigt und teilt lediglich mit, man wolle gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium prüfen, wie die Rüstungsindustrie und zivile Unternehmen zusammenarbeiten können.
Rafael: Iron-Dome-Hersteller
Der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Systems gehört dem israelischen Staat und ist vor allem als Hersteller des Raketenabwehrsystems Iron Dome bekannt. In Osnabrück könnten künftig Fahrzeuge und Komponenten für Abfangraketen gefertigt werden. Die Produktion von Sprengkörpern ist aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen. Der Standort steht ohnehin vor einem Umbruch: Noch laufen dort T-Roc-Cabrios vom Band, doch im kommenden Jahr endet die Produktion. Dies ist Teil eines Sparprogramms bei VW und ein Einschnitt für die rund 2300 Beschäftigten.
Geschichte des Standorts
Die Geschichte des Standorts reicht bis ins Jahr 1901 zurück. Die Wilhelm Karmann GmbH fertigte dort Cabriolets und Coupés, bis sie 2009 insolvent ging und von VW übernommen wurde. Nun ist Volkswagen selbst in der Krise und sucht schon länger nach einer neuen Perspektive für das Werk. Auch Rheinmetall hatte sich den Standort angesehen, zog jedoch im März seine Pläne zurück. VW-Chef Oliver Blume betonte in einem Interview: „Wir werden keine Waffen produzieren.“
Die Zukunft der Belegschaft bleibt ungewiss. Die Gespräche mit Rafael könnten jedoch eine Lösung bieten, den Standort und Arbeitsplätze zu erhalten, wenngleich in einem völlig neuen Produktionsbereich.



