Feuer in Geelong: Australiens Treibstoffversorgung in Gefahr
Ein verheerender Großbrand in einer der wichtigsten Ölraffinerien Australiens hat die nationale Treibstoffproduktion erheblich beeinträchtigt. Das Feuer, das am späten Mittwochabend Ortszeit in der Anlage des Energieunternehmens Viva Energy in Geelong ausbrach, wurde mittlerweile unter Kontrolle gebracht. Allerdings kam es zu mehreren Explosionen, die die Situation zusätzlich verschärften.
Kritische Infrastruktur betroffen
Die Raffinerie in der Nähe von Melbourne zählt zu den beiden größten Ölverarbeitungsanlagen des gesamten Landes. Nach Angaben von Viva Energy deckt sie über 50 Prozent des Kraftstoffbedarfs im Bundesstaat Victoria und etwa 10 Prozent des gesamten australischen Treibstoffbedarfs. Die Anlage verfügt über eine Verarbeitungskapazität von bis zu 120.000 Barrel Öl pro Tag.
Die Produktion läuft derzeit nur noch eingeschränkt weiter, wie Energieminister Chris Bowen bestätigte. Die Raffinerie produziere zwar weiterhin Diesel und Flugtreibstoff, allerdings auf deutlich reduziertem Niveau. Bowen bezeichnete den Zeitpunkt des Vorfalls als äußerst ungünstig.
Fluggesellschaften unter zusätzlichem Druck
Die bereits angespannte Lage bei Flugtreibstoffen verschärft sich durch den Brand weiter. Australische Fluglinien kämpfen ohnehin mit stark gestiegenen Treibstoffkosten, die auf den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus zurückzuführen sind. In den vergangenen Tagen hatten Airlines wie Qantas, Jetstar und Virgin Australia bereits angekündigt:
- Inlandsverbindungen zu reduzieren oder zu streichen
- Flüge zu bündeln
- Ticketpreise weiter anzuheben
Der Brand in der Raffinerie verschlimmert diese Situation nun zusätzlich und könnte zu weiteren Einschränkungen im Luftverkehr führen.
Ursache und Sicherheitsmaßnahmen
Ersten Ermittlungen zufolge war ein technischer Defekt die Ursache für den Brand. Durch diesen fingen brennbare Gase und Flüssigkeiten Feuer. Die Behörden betonten, dass zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe. Dennoch wurden die Menschen in der Region vorsorglich aufgefordert, ihre Fenster geschlossen zu halten.
Das genaue Ausmaß der Schäden und mögliche langfristige Folgen für die Treibstoffversorgung Australiens sind noch nicht abschließend geklärt. Die Einschätzung der Situation wird durch die Tatsache erschwert, dass Premierminister Anthony Albanese derzeit auf einer diplomatischen Reise durch Südostasien unterwegs ist, um die Energieversorgung seines Landes zu sichern.
Nach Stationen in Singapur und Brunei führt er aktuell Gespräche in Malaysia, während sich die heimische Energiekrise durch den Raffineriebrand weiter zuspitzt.



