BSH rückt näher an Marine: Sicherheitsfragen prägen maritime Behörde
BSH rückt näher an Marine: Sicherheitsfragen prägen Behörde

Maritime Behörde BSH intensiviert Zusammenarbeit mit der Marine

Hamburg/Rostock • Sicherheitsfragen bestimmen zunehmend die Arbeit des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Behördenleiter Helge Heegewaldt betonte in Hamburg, dass das BSH zwar keine Sicherheitsbehörde sei, aber das Thema Sicherheit bei der Aufgabenerfüllung immer wichtiger werde. Die veränderte Lage seit Russlands Angriff auf die Ukraine beeinflusst laut Heegewaldt zunehmend die Nutzung der Nord- und Ostsee.

Ostsee wird zum potenziellen Einsatzgebiet

„Gerade die Ostsee ist längst nicht mehr das Übungsgebiet, sondern wird zu einem potenziellen Einsatzort“, sagte Heegewaldt. Der Übungsbedarf der Deutschen Marine und ihrer Bündnispartner habe deutlich zugenommen, was erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit der Behörde habe. Das BSH plant, wie die knappen deutschen Meeresflächen genutzt werden, und muss dabei nun verstärkt militärische Erfordernisse berücksichtigen.

Meeresdaten als Grundlage für Marineeinsätze

Eine Kernaufgabe des BSH ist die Vermessung der Nord- und Ostsee sowie die Sammlung von Daten über Meerwasser. Diese Ergebnisse kommen laut Heegewaldt auch der Marine zugute: „Eigenschaften des Meereswassers wie Temperatur, Salzgehalt, Strömungen und Schichtung beeinflussen die Einsatzbedingungen auf See entscheidend.“ Beispielsweise breite sich Schall abhängig von den Bedingungen unterschiedlich aus, was für Sonarsysteme von großer Bedeutung sei.

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Die Wassereigenschaften haben laut BSH-Chef direkten Einfluss auf die Navigation von Schiffen, U-Booten sowie die Minenabwehr. „Präzise und aktuelle ozeanographische Daten sind daher eine wesentliche Grundlage für Lagebilder und Entscheidungen auch der Marine“, betonte Heegewaldt. „Die Versorgung der Marine mit diesen Daten wird das BSH mit Priorität aufrechterhalten.“

Gedruckte Seekarten für den Notfall

Die Behördenvertreter berichteten von häufigeren Abstimmungen zwischen dem BSH und der Marine. In Zeiten knapper Kassen prüft das Amt sorgfältig, dass es keine für die Marine wichtigen Leistungen einstellt. So wird die Marine weiterhin gedruckte Seekarten erhalten, obwohl diese vom BSH eigentlich digitalisiert werden. Der Grund ist simpel: Für den Notfall soll eine physische Alternative an Bord verfügbar sein.

Angepasste Raumplanung für Windparks

Stromleitungen zur Anbindung von Offshore-Windparks plante das BSH der Marine zuliebe um. „Im letzten Jahr mussten Kabeltrassen zur Anbindung von Windparks angepasst werden, um ein entsprechendes Übungsgebiet zu umgehen und mögliche Störungen zu vermeiden“, erklärte Heegewaldt. Diese Anpassungen zeigen, wie sich zivile und militärische Interessen auf See immer stärker verzahnen.

Zunehmende Störungen der Navigation

Nach Bericht des BSH nehmen Störungen von Satellitensignalen besonders in der Ostsee deutlich zu. Die Behörde stellt vermehrt Jamming fest – das Blockieren von Navigationssystemen – sowie das sogenannte Spoofing, das Verfälschen von Positionsdaten. Genaue Zahlen zu Vorfällen in deutschen Meeren nannte das BSH zwar nicht, doch die Tendenz ist klar erkennbar.

Aufgrund dieser zunehmenden Störungen arbeitet das BSH intensiv an der Entwicklung eines landgestützten Navigationssystems mit Hilfe von nationalen und europäischen Küstenfunkanlagen. Erste Tests dazu sind bereits für Mai geplant.

Windkraftausbau verläuft langsamer als geplant

Auf der Pressekonferenz wurde auch deutlich, dass die Bundesregierung das Ausbauziel für die Windkraft in Nord- und Ostsee bis 2030 voraussichtlich verfehlen wird. Kai Trümpler, Leiter der Unterabteilung räumliche Planung im BSH, sagte: „Tatsächlich wird es wohl so sein, dass wir Ende 2030 nicht die geforderten 30 Gigawatt erreicht haben werden.“ Es sei schon während der Formulierung der Ausbauziele klar gewesen, dass diese ambitioniert seien.

Trümpler geht davon aus, dass das Ausbauziel erst 2031 oder 2032 – also verspätet – erreicht wird. „Ich muss sagen, auch das halte ich noch für eine wirklich großartige Leistung der deutschen Bundesregierung, der deutschen Verwaltung, das in dieser kurzen Zeit zu stemmen.“

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Gesetzliches Ziel der Regierung ist, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie auf See bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt auszubauen. Seit der Inbetriebnahme des ersten deutschen Windparks auf See 2010 ist die Gesamtleistung der Anlagen auf 10,2 GW gestiegen. Bis 2035 wird von der Regierung eine Leistung von 40 GW angepeilt und bis 2045 sollen 70 GW erreicht werden. Interessanterweise geht das BSH davon aus, dass das 2035-Ziel schon 2034 mit rund 42 GW übertroffen wird.

Nord- und Ostsee werden immer wärmer

Während der Ausbau der Windkraft voranschreitet, werden Nord- und Ostsee der Behörde zufolge immer wärmer. 2025 wies die Nordsee die höchste Durchschnittstemperatur an der Oberfläche auf, seitdem die jährliche Erhebung 1969 begonnen hat. In der Ostsee wurde 2025 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung 1990 verzeichnet. Diese Entwicklung hat nicht nur ökologische, sondern auch sicherheitsrelevante Auswirkungen auf die maritime Nutzung.

Das BSH mit seinen Dienstsitzen in Hamburg und Rostock und etwa 1.000 Beschäftigten untersteht dem Bundesverkehrsministerium. Helge Heegewaldt ist seit März 2023 Präsident der Behörde. Die veränderte Sicherheitslage stellt das Amt vor neue Herausforderungen, die eine immer engere Zusammenarbeit mit der Marine erforderlich machen.