Energieversorgung unter Druck: Die Suche nach neuen Quellen
In den vergangenen Wochen haben die steigenden Sprit- und Energiepreise die öffentliche Debatte dominiert. Bei einem Dieselpreis von fast 2,50 Euro pro Liter ist der Handlungsdruck auf die Bundesregierung enorm, Autofahrer und Unternehmen zu entlasten. Selbst die eingeführte 12-Uhr-Regelung, die Tankstellen nur eine tägliche Preiserhöhung erlaubt, konnte bisher keine spürbare Dämpfung bewirken.
Die verdrängte Kernfrage: Herkunft und Kosten fossiler Energie
In der hitzigen Diskussion bleibt eine zentrale Frage oft unterbelichtet: Woher bezieht Deutschland eigentlich seine fossile Energie und zu welchen wirtschaftlichen und ökologischen Kosten? Der aktuelle Preisanstieg für Diesel ist nicht allein auf den Iran-Konflikt zurückzuführen.
Vor dem Ukraine-Krieg deckte Deutschland ein Drittel seines Dieselbedarfs direkt aus Russland. Diese Menge fiel weg, ebenso wie die Belieferung der ostdeutschen Raffinerien in Leuna (Sachsen-Anhalt) und Schwedt (Brandenburg) mit russischem Öl. Die Entscheidung der Bundesregierung, die Druschba-Pipeline zu schließen, hatte weitreichende Folgen.
Die PCK-Raffinerie in Schwedt bezieht inzwischen monatlich mindestens 130.000 Tonnen Öl aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline. Theoretisch könnte Russland Ostdeutschland den Hahn wieder zudrehen. Russisches Öl wird in Deutschland nicht mehr verarbeitet, stattdessen liefern die Russen nach Indien, wo es zu Diesel verarbeitet und per Schiff nach Europa transportiert wird. Diese Praxis ist ökonomisch und ökologisch problematisch, wird aber politisch und medial kaum thematisiert.
Erdgas: Neue Abhängigkeiten statt echter Unabhängigkeit
Beim Erdgas hat Deutschland eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht. Den Ausfall russischer Lieferungen kompensieren vor allem Importe aus den USA. Fracking-Erdgas, das in Deutschland umstritten ist, wird in den USA verflüssigt, per Schiff transportiert und hier verbraucht – mit bekannten ökonomischen und ökologischen Konsequenzen.
Das Leipziger Gasunternehmen VNG geht neue Wege und hat Lieferverträge mit Algerien und Aserbaidschan abgeschlossen. Die genauen Umfänge werden nicht genannt, aber die Bemühungen um neue Quellen sind erkennbar.
In der öffentlichen Diskussion kommen naheliegende Alternativen wie eine Wiederaufnahme der Gasförderung in Deutschland, grüner Wasserstoff oder Biogas kaum vor. Der hallesche IHK-Präsident Sascha Gläßer fordert nun eine Prüfung der Fracking-Gas-Produktion in Sachsen-Anhalt. Politisch stößt er auf Widerstand: Wirtschaftsminister Michael Richter (CDU) hält es für zu teuer, Energieminister Armin Willingmann (SPD) für zu umweltschädlich.
Doch wenn die Bedrohung aus Russland tatsächlich so groß ist und die USA als unsichere Partner gelten, muss Deutschland verstärkt auf eigene Produktion setzen.
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