EU entwickelt Notfallplan gegen drohenden Kerosinmangel infolge des Irankriegs
Die Europäische Union arbeitet intensiv an einem Notfallplan, um die Kerosinversorgung angesichts der Eskalation des Irankriegs zu sichern. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters liegt bereits ein konkreter Entwurf vor, der am 22. April vorgestellt werden soll. Dieser Plan zielt darauf ab, potenzielle Engpässe zu verhindern, die den europäischen Flugverkehr vor der Sommersaison erheblich beeinträchtigen könnten.
Maßnahmen zur Sicherung der Raffineriekapazitäten
Der Notfallplan sieht vor, die Raffineriekapazitäten in Europa vollständig zu erfassen und deren maximale Auslastung sicherzustellen. Weitere Maßnahmen sind derzeit in Arbeit, wie mit den Plänen vertraute Personen bestätigten. Der Branchenverband Airlines for Europe hatte zuvor neben einer EU-weiten Überwachung der Kerosinvorräte auch einen gemeinsamen Einkauf angeregt, um die Versorgungslage zu stabilisieren.
Europäische Fluggesellschaften hatten bereits gewarnt, dass es binnen weniger Wochen zu Kerosinengpässen kommen könnte, sollte die Versorgung aus dem Nahen Osten blockiert bleiben. Dies würde nicht nur zu erheblichen Störungen im Reiseverkehr führen, sondern auch zu weiteren Preiserhöhungen, Stornierungen und am Boden bleibenden Flugzeugen.
Abhängigkeit von Importen und steigende Preise
Europa importiert laut Internationaler Energieagentur rund 30 Prozent seines Bedarfs an Flugbenzin, wobei etwa 75 Prozent dieser Einfuhren aus dem Nahen Osten stammen. Die Raffineriekapazitäten auf dem Kontinent sind in den vergangenen Jahren jedoch gesunken, und viele Anlagen arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Zudem ist die Versorgung innerhalb Europas sehr ungleichmäßig verteilt, was die Situation zusätzlich verschärft.
Seit der Blockade der Straße von Hormus sind die Kerosinpreise massiv gestiegen, was das Fliegen deutlich verteuert. Die IEA prognostiziert, dass es bis Juni zu Engpässen kommen könnte, wenn die Region nur die Hälfte der üblichen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Einige Flughäfen warnen sogar vor Engpässen innerhalb von drei Wochen, sollte die wichtige Wasserstraße für Treibstofflieferungen geschlossen bleiben.
Lufthansa berichtet über Planungsschwierigkeiten
Die für die Beschaffung zuständige Lufthansa-Vorständin Grazia Vittadini bestätigte gegenüber Reuters, dass die Planung bereits schwieriger wird. „Unsere Kerosin-Lieferanten ändern ihre Prognosezeiträume und sind nicht mehr bereit, einen Ausblick über einen Zeitraum von mehr als einem Monat zu geben“, erklärte sie. Dies unterstreicht die Unsicherheit, mit der die Branche derzeit konfrontiert ist.
An den Flughäfen Frankfurt und München gibt es bisher keine direkten Hinweise auf einen Kerosinmangel, wie die Flughafenbetreiber mitteilten. Sie sind zwar nicht selbst für die Treibstoffversorgung zuständig, stehen aber in engem Kontakt mit den Lieferanten, um die Lage kontinuierlich zu beobachten und bei Bedarf schnell reagieren zu können.
Die Entwicklung des EU-Notfallplans zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Sollte der Konflikt im Nahen Osten nicht bald beendet werden, drohen nicht nur wirtschaftliche Einbußen für die Luftfahrtindustrie, sondern auch erhebliche Beeinträchtigungen für Reisende in der bevorstehenden Hochsaison.



