Gaspreise für Neukunden erreichen Drei-Jahres-Hoch durch Irankrieg
Der anhaltende Konflikt im Iran wirkt sich zunehmend auf die Energiekosten in Deutschland aus. Laut einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox liegen die Gastarife für Neukunden im deutschlandweiten Durchschnitt bei 10,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Dies markiert den höchsten Stand seit drei Jahren und verdeutlicht die direkten Folgen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.
Steigende Kosten für Verbraucher
Zum Vergleich: Anfang des Jahres waren noch Gasverträge zu etwa acht Cent pro kWh verfügbar. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh bedeutet dies eine Erhöhung der jährlichen Heizkosten von möglicherweise 1.200 Euro auf gut 1.600 Euro. Die Preisentwicklung nähert sich damit einer kritischen Schwelle, die während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2023 zu staatlichen Eingriffen wie der Gaspreisbremse führte.
Die Bundesnetzagentur gibt weiterhin etwa zwölf Cent pro kWh als durchschnittlichen Gaspreis in Deutschland an. Verbraucher, die aus teuren Altverträgen oder der Grundversorgung wechseln, können zwar noch sparen, doch die Phase günstiger Angebote auf dem Gasmarkt ist vorerst beendet.
Ursachen und Hintergründe der Verteuerung
Verivox-Experte Thorsten Storck erklärt, dass Neukundentarife eng an den Großhandelspreisen kalkuliert werden, die von 3,4 Cent je kWh Ende Februar auf zuletzt gut fünf Cent gestiegen sind. Diese kurzfristigen Sprünge schlagen sich schnell in den Endkundenpreisen nieder, da Versorger Energie für Bestandskunden oft langfristig im Voraus einkaufen.
Hauptursache für die Verteuerung ist der Irankrieg, der die weltweite Gasversorgung beeinträchtigt. Die iranischen Revolutionswächter blockieren de facto die Straße von Hormus, durch die zuvor etwa ein Fünftel des global transportierten Flüssigerdgases (LNG) verschifft wurde. Zudem hat Iran Mitte März die weltgrößte LNG-Produktionsstätte in Katar bombardiert und erheblich beschädigt, was das Angebot auf dem Weltmarkt weiter verknappt.
Langfristige Faktoren und Prognosen
Die weitere Entwicklung der Gaspreise hängt maßgeblich von der Dauer des Nahostkonflikts ab. Sollten die Großhandelspreise auf dem aktuellen Niveau bleiben oder weiter steigen, prognostiziert Verivox, dass sich dies mittelfristig stärker auf die Endkundenpreise auswirken wird. Abseits der Geopolitik gibt es weitere Faktoren, die langfristig für höhere Gaspreise sprechen:
- Tendenziell steigende CO₂-Preise auf Brennstoffe wie Erdgas.
- Erhöhte Gasnetzentgelte, da mehr Verbraucher auf Alternativen wie Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen und Betreiber den Restwert ihrer Gasnetze schneller abschreiben.
Erdgas bleibt mit einem Anteil von mehr als der Hälfte aller beheizten Wohnungen in Deutschland ein zentraler Energieträger, der auch in der Industrie und in Kraftwerken in großen Mengen zum Einsatz kommt. Die aktuelle Situation unterstreicht die Abhängigkeit von globalen Märkten und die Notwendigkeit einer stabilen Energieversorgung.



