IEA erwartet deutlichen Rückgang der Ölnachfrage
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage angesichts des Iran-Kriegs deutlich nach unten korrigiert. In ihrem aktuellen Monatsbericht rechnen die Experten nun mit einem Rückgang der Nachfrage um durchschnittlich 420.000 Barrel pro Tag auf etwa 104 Millionen Barrel. Dies ist eine drastische Verschlechterung gegenüber der vorherigen Prognose, die lediglich einen Rückgang um 80.000 Barrel vorsah. Zu Beginn des Jahres war die IEA noch von einem Anstieg um 770.000 Barrel täglich ausgegangen.
Preisexplosion und Versorgungsengpässe
Die Nachfragezerstörung sei eine direkte Folge des sprunghaften Anstiegs der Ölpreise seit Kriegsbeginn, so die IEA. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg im März zeitweise auf über 120 US-Dollar pro Barrel, nachdem er zuvor bei etwa 70 Dollar gelegen hatte. Aktuell wird Brent bei rund 106 Dollar gehandelt. Durch die faktische Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handelsrouten für Öl, sind die Lieferströme aus dem Persischen Golf weitgehend unterbrochen. Dies schürt Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum und hält die Preise auf hohem Niveau.
Lagerbestände sinken in Rekordtempo
Die IEA berichtet zudem von einem Rekordtempo beim Abschmelzen der weltweiten Ölreserven. In den Monaten März und April verringerten sich die Bestände um rund vier Millionen Barrel pro Tag, auch bedingt durch die Freigabe von Notfallreserven durch Länder wie die USA, Japan und Deutschland. Die Experten gehen davon aus, dass diese Entwicklung noch monatelang anhalten wird. „Der Markt wird bis Oktober massiv unterversorgt bleiben“, heißt es in dem Bericht. Dies gelte selbst dann, wenn der Konflikt bereits im kommenden Monat enden würde.
Maßnahmen zur Eindämmung der Krise
Angesichts lokaler Versorgungsengpässe ergreifen Regierungen und Unternehmen Maßnahmen, um den Ölverbrauch zu senken. Dazu gehören Sparmaßnahmen, Preiskontrollen und Rationierungen. Die IEA spricht in diesem Zusammenhang von einer „sich verschärfenden Zerstörung der Nachfrage“. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf den globalen Ölmarkt sind damit weitreichender als zunächst angenommen.



