Kerosin-Krise: Flugkraftstoff wird knapp und teuer - Experten warnen vor globalem Notstand
Wirtschaftsexperten und internationale Fluglinien schlagen derzeit Alarm: Weltweit droht ein ernsthafter Notstand beim Flug-Sprit Kerosin. Die Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch zugespitzt und stellt die gesamte Luftfahrtindustrie vor immense Herausforderungen. BILD erklärt im Detail, was den speziellen Kraftstoff so wertvoll, rar und gleichzeitig extrem teuer macht.
Kerosin: Der einzigartige Abheber für Flugzeuge
Die Turbinen von modernen Passagierjets und Frachtfliegern können ausschließlich mit Kerosin betrieben werden. Weder herkömmliches Benzin – das zu leicht, zu explosiv und zu flüchtig wäre – noch Dieselkraftstoff – der zu zäh und zu kälteempfindlich ist – eignen sich für den Antrieb der gleichmäßig und hochtourig laufenden Turbinenmotoren. Ein Flugzeugtriebwerk benötigt keinen klassischen "Zündknall" wie ein Benzin-Automotor, sondern einen kontrollierten, konstanten Feuerstrom. Genau diese Eigenschaft liefert Kerosin in perfekter Weise.
Dieselkraftstoff würde in der extremen Kälte großer Flughöhen – bei 10.000 Metern herrschen regelmäßig minus 50 Grad Celsius – ausflocken und bräuchte teure Zusatzstoffe für einen zuverlässigen Frostbetrieb. Diese technischen Besonderheiten machen Kerosin zum unverzichtbaren Treibstoff der Luftfahrt.
Kerosin: Das energetische Wundermittel
Der Flug-Sprit, der eigentlich ein leichtes Öl darstellt, verfügt über rund zehn Prozent mehr Energie pro Liter als konventionelles Benzin. Diese höhere Energiedichte ist besonders vorteilhaft für Langstreckenflüge, bei denen jedes Kilogramm Gewicht und jeder Liter Treibstoff genau kalkuliert werden muss. Die überlegene Effizienz erklärt teilweise, warum Kerosin trotz seiner hohen Kosten weiterhin alternativlos bleibt.
Kerosin: Der massive Preistreiber
Nicht allein der aufgrund des Irankriegs gestiegene Ölpreis und die knapper werdenden Lieferungen aus dem Persischen Golf machen Kerosin zum raren und teuren Gut. Die eigentliche Knappheit entsteht vor allem bei den Produktionskapazitäten und der Versorgungskette der großen Raffinerien von Unternehmen wie Shell, BP oder Exxon.
Diese Raffinerien liegen zu einem Großteil in der Golfregion – in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und anderen Staaten – und sind spezialisiert auf die Herstellung von Kerosin, das den strengen internationalen Vorschriften für den Flugverkehr entspricht. Die Folge dieser Abhängigkeit von wenigen Produktionsstandorten: Kerosin ist weltweit seit Kriegsbeginn Ende Februar um beeindruckende 140 Prozent teurer geworden.
Zum Vergleich: Diesel und Benzin, die auch an vielen anderen Standorten raffiniert werden können, sind dagegen "nur" um 70 Prozent (Diesel) beziehungsweise 40 Prozent (Benzin) im Preis gestiegen. Die Betriebskosten der Fluglinien hängen bis zu 40 Prozent direkt am Kerosin und dessen Preissprüngen. Rechnerisch müsste der Steilflug beim Flug-Sprit – plus 140 Prozent – also die Ticketpreise um rund 56 Prozent in die Höhe schießen lassen. Allerdings finden die Fluggesellschaften häufig weitere Gründe, ihre Preise noch darüber hinaus zu erhöhen.
Die aktuelle Kerosin-Krise zeigt deutlich, wie verwundbar die globale Luftfahrtindustrie durch Abhängigkeiten von spezifischen Rohstoffen und Produktionsstandorten ist. Experten befürchten, dass sich die Situation in den kommenden Monaten weiter verschärfen könnte, falls keine alternativen Lieferketten aufgebaut oder Produktionskapazitäten diversifiziert werden.



