In der kubanischen Hauptstadt Havanna haben Hunderte Menschen gegen die schwersten Stromausfälle seit Jahrzehnten demonstriert. In mehreren Außenbezirken gingen sie auf die Straßen, entzündeten Müll und blockierten die Wege. Viele schlugen auf Töpfe und forderten die Wiederherstellung der Stromversorgung.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters handelte es sich um die größten Proteste in Havanna seit Beginn der massiven Energiekrise vor etwa vier Monaten. Die Versammlungen blieben demnach überwiegend friedlich.
Seit Anfang des Jahres blockieren die USA Öllieferungen an Kuba. US-Präsident Donald Trump droht jedem Land, das Treibstoff an Kuba liefert, mit Zöllen. Weder Mexiko noch Venezuela, bislang wichtige Lieferanten, haben seit der Anordnung Treibstoff auf die Insel gebracht. Nur ein großer Öltanker unter russischer Flagge hat seit Dezember Rohöl geliefert.
Kubas Energieminister Vicente de la O bezeichnete das Stromnetz als in einem „kritischen Zustand“. Nach Regierungsangaben sind Diesel und Heizöl vollständig ausgegangen. Viele Stadtteile Havannas sind täglich 20 bis 22 Stunden ohne Strom. Zudem sind Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente knapp.
Kuba verhandelt trotz der Blockade weiter über Treibstoffimporte. Minister de la O erklärte: „Kuba ist offen für jeden, der uns Treibstoff verkaufen will.“ Allerdings erschwerten die weltweit steigenden Öl- und Transportpreise infolge des Iran-Kriegs die Bemühungen. Das Netz wird derzeit mit heimischem Rohöl, Erdgas und erneuerbaren Energien betrieben, doch ein großer Teil der installierten Solarkapazität kann wegen der Netzinstabilität nicht genutzt werden.
Die Vereinten Nationen bezeichneten die US-Treibstoffblockade als unrechtmäßig. Sie behindere das Recht des kubanischen Volkes auf Entwicklung und beeinträchtige die Rechte auf Nahrung, Bildung, Gesundheit, Wasser und sanitäre Einrichtungen.



