Lieferstopp für kasachisches Rohöl: Ostdeutsche Wirtschaft schlägt Alarm
Lieferstopp für kasachisches Rohöl: Wirtschaft warnt

Die ostdeutsche Wirtschaft schlägt Alarm: Sollte Russland die Durchleitung kasachischen Rohöls zur PCK-Raffinerie in Schwedt tatsächlich stoppen, drohen schwerwiegende Folgen für die Industrie in der Region. In einer gemeinsamen Presseerklärung der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlins fordern die Unternehmen mehr Engagement von der Politik, um die Versorgungssicherheit des Standorts zu gewährleisten.

Kritik an fehlendem Pipeline-Ausbau

Die Unternehmer üben deutliche Kritik am zögerlichen Ausbau der Pipeline von Rostock nach Schwedt. „Warum ist die Ertüchtigung der Pipeline Rostock–Schwedt bis heute nicht mit aller Konsequenz vorangebracht worden?“, fragt Präsidiumsmitglied Volker Herrmann. Er verweist darauf, dass bereits 2022 und 2023 politisch erkannt wurde, wie zentral diese Leitung für Schwedt ist. „Dann reicht es nicht, noch 2026 auf Gespräche, Prüfungen und Neukonzeptionen zu verweisen.“ Ein Industriestandort der Größenordnung Schwedts brauche belastbare Entscheidungen, verbindliche Zeitpläne und eine verlässliche Infrastruktur.

Bauwirtschaft fürchtet Bitumen-Knappheit

Volker Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost, warnt vor den konkreten Auswirkungen auf die Bauwirtschaft. „Der Stopp der Durchleitung kasachischen Öls durch Russland hat spürbare Folgen für die Bauwirtschaft in Ostdeutschland“, sagt Momberg. Es werde mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen kommen – einem zentralen Baustoff für die Herstellung von Asphalt im Straßenbau. Zwar werde Bitumen in Deutschland auch über andere Standorte wie Karlsruhe oder Brunsbüttel sowie internationale Lieferketten bezogen, doch bleibe Schwedt aufgrund etablierter Strukturen und kurzer Transportwege ein zentraler Baustein für die ostdeutsche Bauwirtschaft. Jede Störung wirke sich unmittelbar auf den Markt aus, führe zu steigenden Baukosten und verzögere dringend notwendige Investitionen in Straßenbau und Infrastruktur.

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BSW fordert Sondersitzung und Dialog mit Russland

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Brandenburger Landtag hat eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses beantragt. BSW-Wirtschaftspolitiker Andreas Kutsche wirft der Bundesregierung und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) komplettes Versagen vor. „Auf den Rücken der PCK-Beschäftigten wird ein Wirtschaftskrieg ausgetragen“, so Kutsche. Er fordert Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Ministerpräsident Woidke auf, sofort einen ernsthaften Dialog mit Russland zu starten, um eine schrittweise Annäherung zu erreichen, die Druschba-Pipeline zu retten und langfristige Öllieferverträge mit Russland auszuhandeln. „Nur das wird größeren wirtschaftlichen und sozialen Schaden von Brandenburg und Deutschland abwenden“, betont Kutsche.

Die PCK-Raffinerie in Schwedt hat in den vergangenen Jahren bereits unter schwierigen Bedingungen produziert, die weit von verlässlicher Planungssicherheit entfernt waren. Ein Ausfall der kasachischen Lieferungen würde die Situation weiter verschärfen und die gesamte Region treffen.

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