Slowakei führt Sonderpreise für Ausländer ein: Deutsche zahlen mehr an der Zapfsäule
Für deutsche Autofahrer wird das Tanken im Ausland zunehmend zu einer kostspieligen Angelegenheit. In der Slowakei müssen Fahrer mit ausländischen Kennzeichen seit Kurzem deutlich höhere Preise für Dieselkraftstoff bezahlen als einheimische Autofahrer. Diese drastische Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf eine angespannte Versorgungslage, die das Land zu ungewöhnlichen Schritten gezwungen hat.
Versorgungsprobleme zwingen zu drastischen Maßnahmen
Hintergrund der Preisunterschiede ist ein massives Versorgungsproblem. Seit Ende Januar fließt nach Angaben der slowakischen Regierung kein russisches Erdöl mehr über die Druschba-Pipeline durch die Ukraine. Dies hat dazu geführt, dass die Regierung in Bratislava sogar einen "Erdöl-Notstand" ausrufen musste. Die Versorgung kann derzeit nur noch mit staatlichen Notreserven aufrechterhalten werden.
Die slowakische Regierung hat daher nicht nur höhere Preise für Ausländer eingeführt, sondern zugleich Treibstoffe rationiert. Ursprünglich war diese Maßnahme auf 30 Tage befristet, doch Regierungschef Robert Fico schließt eine Verlängerung nicht aus. Das erklärte Ziel ist es, Tanktourismus aus den Nachbarländern zu verhindern und sicherzustellen, dass der günstigere Sprit nicht massenhaft von ausländischen Fahrern abgegriffen wird.
Politische Kontroverse und EU-Recht
Die Einführung unterschiedlicher Spritpreise für In- und Ausländer ist politisch hochumstritten. Die EU-Kommission hält diese Praxis für unvereinbar mit EU-Recht und droht mit einem Vertragsverletzungsverfahren. Aus Brüsseler Sicht werden Ausländer allein wegen ihres Kennzeichens benachteiligt, was gegen die Grundsätze des Binnenmarktes verstößt.
Robert Fico weist diese Kritik jedoch scharf zurück. Er bezeichnete die Haltung der EU-Kommission als "absolut inkorrekt" und forderte stattdessen, dass Brüssel die Ukraine dazu bewegen solle, die Durchleitung von russischem Öl wieder zu ermöglichen. Dieser Konflikt zeigt, wie stark die Energieversorgungslage die politischen Beziehungen innerhalb der EU belasten kann.
Polen beobachtet die Entwicklung genau
Auch in Polen wächst die Sorge vor einem Ansturm ausländischer Autofahrer an den Tankstellen. Die polnische Regierung erwägt ein vergleichbares Modell, falls Tanktourismus oder Engpässe die Versorgung gefährden sollten. Bislang gibt es in Polen noch keine Sonderpreise für Ausländer, doch die Situation wird genau beobachtet.
Sollte ein weiteres Land nachziehen, könnte aus einem Einzelfall rasch ein Trend werden. Für deutsche Autofahrer bedeutet dies, dass sie vor Fahrten ins Ausland nicht nur prüfen müssen, wo der Sprit am günstigsten ist, sondern auch, ob an der Zapfsäule Sonderpreise für Ausländer gelten. Die Zeiten des unkomplizierten Tanktourismus könnten damit vorbei sein.
Die Entwicklung in der Slowakei zeigt deutlich, wie fragil die Energieversorgung in Europa nach wie vor ist. Während die Regierung in Bratislava mit Notmaßnahmen auf die Krise reagiert, stehen deutsche Autofahrer vor zusätzlichen Kosten und Unsicherheiten. Die politischen Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission unterstreichen zudem, wie komplex die rechtlichen Rahmenbedingungen in solchen Krisensituationen sind.



