Dynamische Netzentgelte ermöglichen erhebliche Stromkosteneinsparungen
In der Region Ludwigslust-Parchim können Haushalte mit Wärmepumpe, Batteriespeicher oder Ladestation für Elektroautos ihre Energiekosten deutlich reduzieren. Die Möglichkeit ergibt sich durch die Nutzung dynamischer Netzentgelte, die speziell für steuerbare elektrische Geräte mit einer Leistung über 4,2 Kilowatt angeboten werden. Seit dem vergangenen Jahr sind Stromnetzbetreiber in Deutschland verpflichtet, solche Tarifmodelle bereitzustellen.
Ersparnis von bis zu 85 Prozent in Parchim
Eine aktuelle Analyse des Energieunternehmens 1Komma5° zeigt beeindruckende Preisunterschiede. In Parchim zahlen Stromkunden im Standardtarif 8,1 Cent pro Kilowattstunde für die Netznutzung, während der Niedertarif lediglich 1,2 Cent kostet. Das entspricht einer Ersparnis von rund 85 Prozent. Für eine Familie mit Elektroauto, Wärmepumpe und Heimspeicher, die jährlich 9.000 Kilowattstunden verbraucht, summieren sich die Einsparungen schnell auf mehrere Hundert Euro pro Jahr.
Regionale Unterschiede bei den Einsparmöglichkeiten
In anderen Teilen der Region fällt das Sparpotential etwas geringer aus, bleibt aber signifikant:
- In Hagenow und Lübz beträgt die Ersparnis gegenüber dem Standardtarif etwa 62 Prozent.
- In Ludwigslust kostet die Netznutzung im günstigsten Fall 2,6 Cent pro Kilowattstunde, was einer Einsparung von rund 60 Prozent entspricht.
Insgesamt liegen die Preisunterschiede zwischen günstigen Nieder- und Standardtarifen in der gesamten Region je nach Stromnetzbetreiber zwischen 60 und 85 Prozent.
Intelligente Steuerung des Stromverbrauchs
Die Grundvoraussetzung für die Nutzung variabler Netzentgelte ist ein intelligenter Stromzähler, auch Smart Meter genannt. Diese Geräte ermöglichen eine flexible Steuerung des Stromverbrauchs, indem sie Elektroautos oder Wärmepumpen vorwiegend in Zeiten mit niedrigen Netzentgelten mit Energie versorgen. Smart Meter erfassen den Stromverbrauch kontinuierlich und können die erhobenen Daten direkt an Stromversorger oder Netzbetreiber übermitteln.
Zeitvariable Tarife entlasten das Stromnetz
Das Konzept der dynamischen Netzentgelte zielt darauf ab, Verbraucher zu animieren, ihren Stromverbrauch in Zeiten geringerer Netzauslastung zu verlagern. Die günstigen Tarife gelten typischerweise nachts oder zur Mittagszeit, wenn weniger Strom benötigt wird. In Phasen mit hohem Stromverbrauch fallen hingegen höhere Entgelte für die Netznutzung an. Jannik Schall, Mitgründer von 1Komma5°, erklärt: "Wer seinen Stromverbrauch intelligent steuert, bezieht die Energie zu den niedrigsten Preisen."
Netzentgelte machen etwa ein Viertel des gesamten Strompreises aus. Durch zeitvariable Tarife kann dieser Anteil zeitweise erheblich sinken, was insbesondere für Haushalte mit hohem Strombedarf durch moderne Heiz- und Mobilitätstechnologien finanziell attraktiv ist. Allerdings eignen sich diese Tarifmodelle nicht für jeden Verbraucher, da sie eine aktive Steuerung des Energiebezugs voraussetzen.



