Kiew/Moskau – Dichter, schwarzer Rauch verdeckt den strahlend blauen Himmel über Tuapse. Erneut haben ukrainische Drohnen die Raffinerie der russischen Hafenstadt am Schwarzen Meer getroffen und Teile in Brand gesetzt. Dieses Bild ist den Bewohnern der Region Krasnodar inzwischen vertraut und symbolisiert die neue Taktik der Ukraine in der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg: Gezielte Angriffe auf die Ölanlagen sollen die Invasoren entscheidend schwächen.
„Operation Ölanlagen“: Koordinierte Drohnenangriffe
Innerhalb kurzer Zeit hatte die Ukraine zuletzt die Ölanlagen in Tuapse attackiert und dabei nach eigenen Angaben eine Raffinerie sowie ein Ölterminal getroffen. Die sogenannte „Operation Ölanlagen“ wird mit Langstreckendrohnen aus heimischer Produktion durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mehrerer Verteidigungs- und Sicherheitsdienste. Mehr als zwei Dutzend Öltanks wurden – so die ukrainischen Berichte – zerstört, weitere beschädigt.
Putin warnt vor Umweltfolgen
Russlands Machthaber Wladimir Putin (73) zeigte sich nach dem jüngsten Schlag gegen die Tuapse-Raffinerie alarmiert und warnte vor „schwerwiegenden Umweltfolgen“. Videoaufnahmen, die der russische Gouverneur Kondratjew am Dienstag veröffentlichte, zeigen schwarze, dampfende Pfützen auf einer angrenzenden Straße. Siedende Ölprodukte aus einem der Tanks seien ausgelaufen und hätten mehrere Autos beschädigt. Gleichzeitig betonte Putin jedoch, es bestehe keine ernsthafte Gefahr.
In Wirklichkeit dürften die Angriffe den Kreml-Herrscher jedoch aus anderen Gründen beunruhigen: Sie zielen darauf ab, den Treibstoffnachschub für seine Truppen zu bremsen und die Öleinnahmen für die russische Kriegskasse zu unterbinden. Aktuellen Schätzungen zufolge waren im März rund 20 Prozent der Anlagen beschädigt oder zeitweise außer Betrieb. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete für denselben Monat etwa 40 Prozent ausgefallener Exportkapazität. Diese Ausfälle können Russlands Kriegskasse empfindlich treffen – 2025 machten die Erträge aus Öl und Gas rund die Hälfte der Kriegs- und Militärausgaben aus.
Selenskyj: Reichweite vergrößert
Das erklärt, warum die Ukraine auch Ölanlagen tief im russischen Landesinneren ins Visier nimmt. Am Mittwoch stand eine Ölpumpanlage in Perm in Flammen – die Stadt am Ural liegt mehr als 1500 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Der ukrainische Geheimdienst meldete einen Angriff mit Langstreckendrohnen. Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) veröffentlichte ein Video, das eine riesige Rauchwolke zeigt, und erklärte dazu, sein Land vergrößere die Reichweite seiner Langstreckenangriffe. Selenskyj sprach von einer neuen Phase der Bemühungen, dem Angreifer Russland wichtige Öleinnahmen vorzuenthalten.
Mögliche Verseuchung von Putins „Protz-Palast“
Mit einer gewissen Genugtuung dürften Selenskyj und viele Ukrainer auch diese Nachricht aufnehmen: Russische Portale berichten, dass der rund 100 Kilometer von Tuapse entfernte „Protz-Palast“ von Wladimir Putin möglicherweise durch krebserregende Ölrückstände verseucht ist. Das Anwesen, das 2021 durch Enthüllungen des Oppositionellen Alexej Nawalny (†2024) bekannt wurde, gilt als teuerste Villa der Welt und verfügt unter anderem über einen Hubschrauberlandeplatz, ein Amphitheater, einen Weinberg, eine Austernfarm und sogar ein unterirdisches Eishockeyfeld. Die Baukosten sollen sich auf 1,1 Milliarden Euro belaufen haben.



