Expertin Claudia Kandziora: Strategien für die Altersvorsorge von Frauen
Frauen in Deutschland stehen bei der Altersvorsorge vor besonderen Herausforderungen. Im Durchschnitt erhalten sie rund 43 Prozent weniger Rente als Männer – ein deutlicher Unterschied, der auf strukturelle Ungleichheiten hinweist. Claudia Kandziora, Produktmanagerin bei der Stadtsparkasse, betont die Dringlichkeit, dass Frauen aktiv werden müssen, um ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu sichern.
Die strukturellen Gründe für die Rentenlücke
Die Ursachen für diese deutliche Diskrepanz sind vielfältig und tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, übernehmen einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit und sind seltener in Führungspositionen vertreten. Zudem sind sie oft in Branchen tätig, die traditionell schlechter bezahlt werden, wie beispielsweise im sozialen Bereich. Diese Faktoren führen dazu, dass Frauen weniger verdienen und entsprechend weniger für ihre Altersvorsorge zurücklegen können.
„Die Frau von heute sollte nicht auf den Partner und die sozialen Systeme vertrauen“, warnt Kandziora. „Finanzielle Eigenständigkeit ist ein zentraler Baustein für Selbstbestimmung.“ Ob alleinerziehend oder verheiratet, mit Kindern oder ohne – jede Frau sollte ihre Altersvorsorge aktiv in die Hand nehmen.
Der erste Schritt: Aktiv werden und Beratung suchen
Viele Frauen unterschätzen laut Kandziora, wie stark sich Erwerbsunterbrechungen oder reduzierte Arbeitszeiten langfristig auf ihre finanzielle Situation auswirken. Der wichtigste Schritt ist daher, aktiv zu werden und einen Beratungstermin bei einer Bank oder einem unabhängigen Finanzberater zu vereinbaren. Wer weniger verdient, kann zwar oft weniger zurücklegen – aber gerade dann ist frühes und konsequentes Vorsorgen entscheidend.
Beim Beratungstermin sollte die individuelle Lebenssituation geklärt werden. Dazu gehören Fragen wie:
- Wie hoch ist das persönliche Sicherheitsbedürfnis?
- Welches Vermögen ist bereits vorhanden?
- Welche Ziele sollen mit der Altersvorsorge erreicht werden?
Die richtige Anlagestrategie finden
Es gibt nicht „die eine richtige“ Geldanlage, betont Kandziora. Stattdessen muss die Anlagestrategie auf die persönlichen Ziele, den Zeitrahmen und das individuelle Sicherheitsbedürfnis abgestimmt werden. „Wer beispielsweise Geld für ein Auto in drei bis fünf Jahren spart, braucht eine andere Lösung als jemand, der langfristig für die Altersvorsorge investiert“, erklärt die Expertin.
Bei kurzen Zeiträumen steht Sicherheit im Vordergrund, während bei langfristigen Anlagen Schwankungen eher ausgehalten werden können, um höhere Ertragschancen zu nutzen. Entscheidend ist eine breite Streuung des Risikos. Je nach persönlichem Sicherheitsbedürfnis kann ein Teil des Vermögens stabiler angelegt werden, etwa in festverzinslichen Anlagen oder Anleihen.
Langfristige Anlagen für nachhaltigen Vermögensaufbau
Für langfristige Anlagen empfiehlt Kandziora Aktienfonds oder Aktien-ETFs. „Sie bieten auf lange Sicht die notwendigen Renditechancen, um Vermögen spürbar wachsen zu lassen“, sagt sie. Denn wer lediglich spare, ohne eine Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen, erhalte zwar nominell sein Geld, baue aber real kein Vermögen auf.
Mehr Geld bedeutet nicht automatisch Vermögensaufbau – entscheidend ist die Rendite nach Inflation. Daher sollten Frauen frühzeitig mit dem Investieren beginnen und langfristig denken. Auch kleine Beträge können durch den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte hinweg erheblich wachsen.
Die fünf wichtigsten Tipps für Frauen im Überblick
- Aktiv werden und Beratung suchen: Der erste Schritt ist ein Beratungsgespräch, um die eigene Situation realistisch zu analysieren.
- Überblick schaffen: Eine klare Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zeigt, welcher Betrag regelmäßig für Rücklagen und Altersvorsorge möglich ist.
- Früh anfangen – langfristig denken: Altersvorsorge ist ein Projekt über Jahrzehnte. Auch kleine Beträge wirken durch Zeit und Zinseszinseffekt.
- Beiträge flexibel anpassen: Mit steigendem Einkommen sollte auch der Sparbeitrag wachsen. Vorsorge ist kein statisches Modell.
- Staatliche Förderung nutzen: Zuschüsse, steuerliche Vorteile und vermögenswirksame Leistungen können den Vermögensaufbau deutlich beschleunigen.
Zusätzlich können sich Interessierte auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) individuell beraten lassen. Unter dem Reiter „Verbraucher“ auf der Website der BaFin finden sich umfassende Informationen zum Thema Anlageberatung.
Fazit: Die Altersvorsorge für Frauen erfordert eine klare Strategie, frühes Handeln und eine passende Anlageform. Mit den richtigen Schritten können Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter sichern und die Rentenlücke schließen.



