Heilbronn übernimmt die Führung: Neue Kaufkraft-Spitze in Deutschland
Wo verfügen die Menschen in Deutschland über die größte finanzielle Kraft? Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat diese Frage nun mit einer umfassenden Studie beantwortet – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Heilbronn löst das bayerische Starnberg an der Spitze der Kaufkraft-Rangliste ab. Die Studie, die auf Daten aus dem Jahr 2023 basiert, berechnet erstmals das reale Einkommen pro Kopf unter Berücksichtigung der regionalen Lebenshaltungskosten.
Die Top Ten der kaufkräftigsten Regionen
Die Spitze des Rankings nach realem Einkommen – also dem um die regionalen Preise bereinigten Durchschnittseinkommen pro Jahr – stellt sich konkret folgendermaßen dar:
- Heilbronn (Baden-Württemberg) mit 39.424 Euro pro Kopf
- Landkreis Starnberg (Bayern), 39.224 Euro
- Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern), 38.479 Euro
- Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz), 37.441 Euro
- Landkreis Miesbach (Bayern), 37.078 Euro
- Landkreis Erlangen-Höchstadt (Bayern), 36.804 Euro
- Landkreis Wunsiedel (Bayern), 36.385 Euro
- Hochtaunuskreis (Hessen), 36.080 Euro
- Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz), 35.814 Euro
- Landkreis Olpe (Nordrhein-Westfalen), 34.437 Euro
Warum Heilbronn die Nase vorn hat
Dass Heilbronn als einzige Stadt in den Top Ten sogar den Spitzenplatz belegt, hat einen besonderen Grund. Studienautor Christoph Schröder erklärt: „Für das dortige Durchschnittseinkommen spielen Gewinnentnahmen aus Gewerbebetrieben eine ausgesprochen große Rolle.“ Diese können teilweise die Hälfte der Einnahmen ausmachen und haben die Stadt in den revidierten Einkommensdaten deutlich nach oben geschoben. Allerdings profitieren davon nur wenige Haushalte, was den Durchschnittsschnitt nach oben zieht.
Metropolen rutschen durch hohe Lebenshaltungskosten ab
Während sich oben vor allem Landkreise finden, dominieren am unteren Ende des Rankings ausschließlich Städte. Der entscheidende Faktor bei den Preisunterschieden sind die Mieten. Ohne diesen Effekt wären die regionalen Preisunterschiede relativ gering, da viele Kostenpunkte wie Lebensmittel, Benzin oder Elektronik deutschlandweit kaum variieren.
Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Großstädten:
- München rutscht vom nominalen Rang 6 (38.190 Euro Durchschnittseinkommen) durch das höchste Preisniveau – fast 24 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – real auf Rang 68 von 400 ab
- Frankfurt stürzt von Rang 125 nominal auf Platz 358 real ab
- Stuttgart fällt von Rang 48 auf 249
- Hamburg rutscht von 116 auf 331
Die Schlusslichter der Kaufkraft-Rangliste
An der Spitze der niedrigsten realen Einkommen finden sich:
- Offenbach am Main (Hessen), 21.430 Euro
- Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen), 21.469 Euro
- Duisburg (Nordrhein-Westfalen), 22.236 Euro
- Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), 23.070 Euro
- Herne (Nordrhein-Westfalen), 23.082 Euro
Bundesländer im Vergleich
Betrachtet man die Bundesländer, liegt Bayern in Sachen preisbereinigte regionale Kaufkraft an der Spitze mit 30.396 Euro. Hier trifft das höchste nominale Einkommen auf die dritthöchsten Preise. Mit Abstand auf dem letzten Platz liegt Berlin mit 24.656 Euro, wo die zweithöchsten Preise auf die zehnthöchsten Einkommen treffen.
Besonders weit rutscht Hamburg ab: Obwohl es den dritten Platz beim nominalen Einkommen belegt, hat es auch die höchsten Preise und landet real nur auf Platz 14 mit 26.685 Euro.
Methodik der Studie
Die Auswertung basiert auf einer aufwendigen Datensammlung des IW Köln zu den regionalen Preisen in kreisfreien Städten, Kreisen sowie Stadt- und Landkreisen in Deutschland. Diese wurden mit Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes verknüpft. Beide Datensätze beruhen auf Zahlen des Jahres 2023, weil vor allem für die Einkommen keine aktuelleren validen Daten vorliegen.
Mit einer früheren Auswertung des IW Köln zum selben Thema sind die Daten nur eingeschränkt vergleichbar. Damals hatte Starnberg noch den ersten Platz belegt – nun muss sich der bayerische Landkreis mit Rang zwei begnügen, während Heilbronn die neue Spitze der Kaufkraft-Tabelle in Deutschland bildet.



