JPMorgan-Chef Dimon warnt vor größeren Ausfällen bei riskanten Unternehmenskrediten
JPMorgan warnt vor Ausfällen bei riskanten Firmenkrediten

JPMorgan-Chef Dimon warnt vor größeren Ausfällen bei riskanten Unternehmenskrediten

In der Finanzwelt wächst die Nervosität. Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende der weltgrößten Bank JPMorgan, hat in seinem jährlichen Aktionärsbrief vor potenziell größeren Verlusten bei riskanten Unternehmenskrediten gewarnt. Der Markt für sogenannte Private Credit, also private Darlehen, die abseits der Börse von Investment- oder Fondsgesellschaften vergeben werden, sei mit einem Volumen von 1,8 Billionen US-Dollar zwar noch relativ klein. Doch in einem wirtschaftlichen Abschwung könnten die Ausfälle deutlich höher ausfallen als bisher angenommen.

Verschlechterte Kreditstandards und mangelnde Transparenz

Dimon führt seine Bedenken auf mehrere Faktoren zurück. Die Kreditstandards hätten sich nahezu durchgängig leicht verschlechtert. Es gebe aggressivere und positivere Annahmen über die zukünftige Performance, schwächere Kreditauflagen sowie neue Zinsregelungen. Zudem würden aggressive private Ratings, etwa von Versicherern, und das Ausnutzen von Preisunterschieden für identische Vermögenswerte die Situation verschärfen.

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Transparenz. Private-Credit-Geschäfte für Unternehmen wiesen in der Regel keine strengen Bewertungsmaßstäbe auf. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen panikartig verkaufen. Die Frage, was die Vermögenswerte hinter den Zahlen tatsächlich wert sind, sei besonders bei vielen gehypten Techwerten nur schwer zu beantworten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Reaktionen am Markt und geopolitische Risiken

Die Nervosität ist bereits spürbar. Der große US-Vermögensverwalter Blue Owl hat Ende vergangener Woche für zwei seiner Fonds die Beträge begrenzt, die Anleger abziehen können. Die Aktien von Blue Owl sowie von Apollo Global, Blackstone und Ares Management gaben daraufhin an der Börse nach. Dimon betont jedoch, dass der gefährdete Kreditsektor wahrscheinlich kein systemisches Risiko darstelle. Er räumt ein, dass sich zahlreiche Fonds in letzter Zeit aus diesen Krediten zurückgezogen haben.

Neben den spezifischen Problemen im Private-Credit-Markt bereiten JPMorgan auch die geopolitischen Risiken große Sorge. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die Spannungen mit China stellen erhebliche Herausforderungen dar. „Aufgrund des Krieges in Iran sehen wir uns nun zusätzlich mit der Gefahr erheblicher anhaltender Öl- und Rohstoffpreisschocks konfrontiert“, sagte Dimon. Dies könne zu einer Umgestaltung der globalen Lieferketten, hartnäckigerer Inflation und letztlich zu höheren Zinssätzen führen, als die Märkte derzeit erwarten.

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Die durch den Krieg ausgelösten Inflationssorgen haben bereits dazu geführt, dass die Märkte Zinssenkungen in diesem Jahr weitgehend ausschließen. Im vergangenen Jahr hatte die geldpolitische Lockerung noch zu Rekordhochs an den Aktienmärkten geführt. Vergangene Woche schloss der Leitindex S&P 500 jedoch sein schlechtestes Quartal seit 2022 ab. Die Märkte wurden seit Ende Februar durch den Krieg und den daraus resultierenden Anstieg der Energiepreise belastet.

Einige Beobachter befürchten, dass sich durch große Ausfälle bei riskanten Unternehmenskrediten perspektivisch erneut eine Finanzkrise entwickeln könnte, insbesondere wenn das Vertrauen der Investoren einbricht. Der Markt für Private Credit hatte nach der jüngsten Finanzkrise kräftig zugelegt. Dimons Warnung unterstreicht, dass trotz der aktuell noch begrenzten Größe dieses Segments die Risiken nicht unterschätzt werden dürfen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration