Münchner Nahverkehrsstreik: Wirte und Händler klagen über massive Umsatzeinbrüche und Frust
Münchner Nahverkehrsstreik: Wirte und Händler klagen über Umsatzeinbrüche

Münchner Nahverkehrsstreik: Wirte und Händler klagen über massive Umsatzeinbrüche und Frust

Der erneute Nahverkehrsstreik in München legt nicht nur Busse und Bahnen lahm, sondern trifft Wirte, Händler und ihre Beschäftigten ins Mark. Massive Umsatzeinbrüche, Lohneinbußen und wachsender Frust über fehlende Unterstützung bringen viele Innenstadtbetriebe an ihre Belastungsgrenze. Die Situation offenbart die Abhängigkeit der lokalen Wirtschaft von funktionierendem öffentlichem Verkehr.

Gastronomen beklagen dramatische Umsatzverluste

Obwohl er grundsätzlich nichts gegen Gewerkschaften habe, fehlt Gastronom und Wiesn-Wirt Lorenz Stiftl inzwischen das Verständnis für die Streiks. "Früher gab es auch schon Arbeitsniederlegungen, aber diese Extreme mit ihrer Häufigkeit und Dauer kannten wir so nicht", erklärt er im Gespräch. Stiftl betreibt mehrere Lokale in der Stadt, darunter den bekannten "Spöckmeier" am Marienplatz. Für sein Geschäft ist die Laufkundschaft fast unverzichtbar – bleibt sie aus, bricht der Umsatz dramatisch ein. "Man kann realistisch von etwa der Hälfte weniger ausgehen", so der frustrierte Gastronom.

Nicht nur ihn selbst treffe die Situation hart, auch für seine Belegschaft sei sie eine enorme Belastung. "Viele Mitarbeiter werden nach Umsatz bezahlt", verrät Stiftl. Sinkt der Umsatz, fallen auch die Löhne entsprechend niedriger aus. Zudem gestalte sich die Anreise zur Arbeit äußerst schwierig, viele Angestellte müssten auf teure Taxis oder Uber-Dienste zurückgreifen. "Oft kommen sie dann verspätet, aber sie kommen schon", beschreibt Stiftl die prekäre Situation.

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Mitarbeiter finden kreative Lösungen, Betriebe leiden

Ähnlich geht es Leandros Schenk, der das "Baricentro" am Sebastiansplatz betreibt. Auch seine Angestellten haben durch den Streik erhebliche Probleme, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. "Ich habe in der Vergangenheit schon meinen Koch oder meinen Barmann mit dem Privatauto abgeholt", berichtet der Geschäftsführer. Manche Entscheidungen während der Streiks kann er nur schwer nachvollziehen. Dass die U-Bahn bei Heimspielen des FC Bayern trotz Streik nach Fröttmaning fährt, wundert ihn besonders. "Da frage ich mich ernsthaft: Was ist denn wichtiger? Die eigene Wirtschaft mit ihren mittelständischen Unternehmen oder ein Fußballspiel?"

Von der Stadt München wünscht sich der 24-jährige Unternehmer deutlich mehr Unterstützung. Seiner Meinung nach sollte die oberste Priorität der Behörden sein, "dass die Erwerbstätigen überhaupt in ihre Arbeitsstätten gelangen können". Dafür gehen manche Arbeitnehmer auch ungewöhnliche Wege. Andjelko Kaser, Store-Manager im Modeladen Vintage Revivals, erzählt von einer Kollegin, die normalerweise mit der Bahn nach München pendelt. "Wenn gestreikt wird, schläft sie die Nacht davor kurzerhand bei Kollegen oder Freunden in der Stadt", so Kaser.

Einzelhandel verzeichnet deutliche Umsatzrückgänge

Auch im Second-Hand-Shop machen sich Streiktage unmittelbar bemerkbar, denn Kunden bleiben fern. "Ungefähr 20 bis 30 Prozent Umsatz fehlen uns dann an solchen Tagen", beziffert Kaser die Verluste. Grundsätzlich habe er nichts gegen Streiks als Arbeitskampfmittel, aber "zweimal in so kurzer Zeit ist schon enorm stressig für alle Beteiligten".

Deutlich härter trifft es jedoch die Betreiber der vielen Verkaufsstände rund um den Marienplatz. Ihr Geschäftsmodell ist fast vollständig von spontaner Laufkundschaft abhängig. Ein Blumenverkäufer, der anonym bleiben möchte, zeigt sich entsprechend wütend. "Weniger streiken, mehr arbeiten!", lautet seine knappe Forderung an die Gewerkschaften. Obst- und Gemüsehändlerin Nusha Zeqiraj vom benachbarten Stand ist dagegen eher traurig über die Situation. "Es ist wirklich schade, wenn man so viele frische und schöne Sachen liebevoll aufbaut und dann kaum etwas verkaufen kann", bedauert sie.

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Die wiederholten Nahverkehrsstreiks in München offenbaren somit nicht nur verkehrstechnische Probleme, sondern haben handfeste wirtschaftliche Konsequenzen für die gesamte Innenstadt-Ökonomie. Während Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, stehen viele kleine und mittlere Betriebe vor existenziellen Herausforderungen – ein Dilemma, das nach Lösungen von allen Seiten verlangt.