Rewe plant Übernahme von bis zu 40 Tegut-Märkten nach Zerschlagung der Kette
Rewe will bis zu 40 Tegut-Märkte übernehmen

Rewe greift bei Tegut-Zerschlagung zu: Bis zu 40 Filialen im Visier

Der Kölner Handelskonzern Rewe positioniert sich als einer der Hauptakteure bei der Zerschlagung der Tegut-Supermarktkette. Wie das Unternehmen bestätigte, plant Rewe die Übernahme von bis zu 40 Tegut-Filialen. Ein entsprechender Vertrag mit dem Mutterkonzern Genossenschaft Migros Zürich wurde bereits unterzeichnet, allerdings steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Integration in Rewe-Netz und Penny-Discountsparte

Der Großteil der übernommenen Standorte soll direkt in das bestehende Vertriebsnetz von Rewe integriert werden. Die übrigen Filialen werden voraussichtlich von der Discount-Tochter Penny übernommen und weiterbetrieben. Diese strategische Aufteilung ermöglicht es dem Konzern, sowohl im Vollsortiment- als auch im Discountsegment zu expandieren.

Edeka als weiterer großer Interessent

Neben Rewe zeigt auch der Lebensmitteleinzelhändler Edeka großes Interesse an Teilen der Tegut-Kette. Nach aktuellen Planungen will Edeka etwa 200 der insgesamt rund 300 Supermärkte übernehmen. Zum Verkaufspaket gehören zudem das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach sowie etwa 40 »Teo«-Minimärkte. Auch dieses Geschäft bedarf der Zustimmung des Kartellamtes.

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Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat sich zudem Aldi Nord für einzelne Standorte interessiert gezeigt. Die Marke Tegut selbst soll nach den Übernahmen vollständig aufgegeben werden, wobei noch unklar ist, wie viele der bestehenden Märkte tatsächlich erhalten bleiben.

Kartellrechtliche Bedenken und Marktmacht der Großen

Rechtsexperten betrachten die geplanten Übernahmen mit erheblicher Skepsis. Der Kartellrechtler Rupprecht Podszun von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf kritisiert die bereits jetzt zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland. Er erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Bundeskartellamt und hält es sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt.

Podszun verweist auf aktuelle Marktdaten: Die vier größten Einzelhändler – Edeka-Gruppe, Rewe-Gruppe, Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie Aldi-Nord und Aldi-Süd – verfügten Ende 2025 bereits über einen kombinierten Marktanteil von rund 85 Prozent.

Edeka warnt vor Folgen einer Untersagung

Rolf Lange, Sprecher der Edeka-Zentrale, äußert sich besorgt über mögliche kartellrechtliche Einschränkungen: »Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für Tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen.«

Lange betont, dass für eine Übernahme der Tegut-Märkte praktisch nur die großen deutschen Lebensmitteleinzelhändler in Betracht kämen. »Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist«, erklärt der Edeka-Sprecher.

Hintergrund: Tegut-Geschichte und Migros-Rückzug

Die Supermarktkette Tegut wurde bereits 1947 in Fulda gegründet und war bis Anfang 2013 unabhängig. In jenem Jahr übernahm die Schweizer Genossenschaft Migros die Kette, die in sechs Bundesländern vertreten war. Nach aktuellen Angaben des Konzerns existieren etwa 340 Tegut-Filialen inklusive der »Teo«-Minimärkte, bei denen knapp 7500 Menschen beschäftigt sind.

Migros hatte kürzlich angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückziehen und Tegut vollständig verkaufen zu wollen. Ursprünglich war Edeka auch an einem Komplettkauf interessiert, doch um das Freigabeverfahren beim Kartellamt zu beschleunigen, wurde das Filialpaket bewusst begrenzt.

Die nun anstehenden Entscheidungen des Bundeskartellamts werden nicht nur über das Schicksal der Tegut-Märkte entscheiden, sondern auch die weitere Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel maßgeblich beeinflussen.

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