Wohnungsbau: Leichter Aufwärtstrend bei Baugenehmigungen - Trendwende oder nur Hoffnungsschimmer?
Baugenehmigungen steigen erstmals seit 2021 - Trendwende?

Erstmals seit 2021: Baugenehmigungen für Wohnungen steigen wieder

Nach drei Jahren mit rückläufigen Zahlen gibt es im deutschen Wohnungsbau einen leichten Aufwärtstrend. Das Statistische Bundesamt zählte für das Jahr 2025 insgesamt 238.500 genehmigte Wohnungseinheiten, was einem deutlichen Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit stieg die Zahl der Genehmigungen für Neubau und Umbau von Wohnraum erstmals wieder seit dem Jahr 2021 an.

Ministerin sieht Trendwende - Branche bleibt skeptisch

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) wertet diese Entwicklung als Beleg dafür, dass die Trendwende im Wohnungsbau begonnen hat. „Die Stimmung in der Branche hat sich verbessert und auch die Investitionen steigen“, erklärte die Ministerin. Besonders das zweite Halbjahr 2025 mit einem Plus von 17,8 Prozent unterstreiche, dass sich vieles in die richtige Richtung bewege.

Doch die Branche dämpft die Euphorie deutlich. „Der leicht steigende Trend bei den genehmigten Bauanträgen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein erheblicher Teil der Vorhaben sich verzögern oder gar nicht realisiert wird“, warnt Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD).

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Wohnungsmangel bleibt enorm - Fertigstellungen sinken weiter

Die Zahlen verdeutlichen das anhaltende Problem auf dem Wohnungsmarkt:

  • Für das laufende Jahr werden nur etwa 215.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet
  • Das wären etwa 20.000 weniger als im Jahr 2025
  • Das Pestel-Institut hatte Ende 2024 einen bundesweiten Fehlbedarf von 1,4 Millionen Wohnungen berechnet

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe, erklärt: „Wir schieben ein riesiges Defizit vor uns her, was den Wohnungsmarkt in den Städten unter enormen Druck setzt. Und 2026 wird nicht besser: Die Fertigstellungszahlen werden weiter sinken.“

Detailzahlen zeigen gemischtes Bild

Die vorläufigen Zahlen der Statistiker zeigen ein differenziertes Bild bei den verschiedenen Gebäudearten:

  1. In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden 194.200 Wohnungen genehmigt (+13,2%)
  2. Einfamilienhäuser: 44.500 Genehmigungen (+17,2%)
  3. Zweifamilienhäuser: 12.600 Genehmigungen (fast unverändert)
  4. Mehrfamilienhäuser: 128.100 Wohnungen (+12,1%)

Bau-Turbo der Bundesregierung - Wann zeigen sich Effekte?

Die schwarz-rote Bundesregierung will mit ihrem sogenannten „Bau-Turbo“ über schnellere Genehmigungsverfahren den schleppenden Wohnungsbau beschleunigen. Fachleute halten diesen Ansatz für einen richtigen Impuls, doch die meisten Hochbau-Unternehmen rechnen erst für die Jahre 2027 und 2028 mit spürbaren Effekten dieser Maßnahmen.

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, betont: „Der politische Erfolg der Bundesregierung muss sich an den Zahlen der Baufertigstellungen messen lassen. Denn nur dann münden die positiven Meldungen auch in Aufträge für die Wohnungsbauunternehmen und in bezahlbarem Wohnraum.“

Bauministerin Hubertz äußerte sich zuversichtlich, dass die Regierung mit diesem und weiteren Schritten dafür sorgt, dass sich der positive Trend auch im Jahr 2026 weiter fortsetzt. Doch angesichts der langen Realisierungszeiten von genehmigten Bauvorhaben bleibt die Frage, wann der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum tatsächlich verfügbar sein wird.

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