Gratis-Haus bei München: 200-qm-Villa verschenkt – aber mit Haken
Gratis-Haus bei München: 200 qm verschenkt

Ein Haus geschenkt? Was nach einem verrückten Traum klingt, wird im Münchner Umland Realität. Im Landkreis Starnberg wird ein wunderschönes Atelier-Haus einfach verschenkt. Doch die Sache hat einen Haken: Verschenkt wird nur das Gebäude in Gauting (Bayern), nicht das Grundstück. Wer zugreifen will, muss die rund 200 Quadratmeter große Villa eigenständig abbauen, abtransportieren und an einem neuen Ort wieder aufbauen. Und das ist Pflicht, denn der Denkmalschutz erlaubt weder Abriss noch bloßes Einlagern der Bauteile – und kontrolliert es am Ende auch.

Selbstabholung kostet Zehntausende Euro

Für Abbau und Transport der Immobilie rechnen Experten mit etwa 50.000 Euro. „Die Villa ist in der Holzständerbauweise errichtet, also komplett aus Holz“, erklärt Makler Oliver Herbst von Immovision gegenüber BILD. Zu den 50.000 kämen noch Kosten für Fundament, Strom- und Wasseranschlüsse am neuen Standort hinzu. Weitere 100.000 bis 150.000 Euro sind realistisch. Trotzdem: Im Vergleich zu den Münchner Immobilienpreisen bleibt das Angebot günstig. Ein Einfamilienhaus kostet dort im Schnitt rund 12.000 Euro pro Quadratmeter, bei 200 Quadratmetern also etwa 2,4 Millionen Euro.

Warum wird die Villa verschenkt?

Hinter dem ungewöhnlichen Deal steckt ein Erbe: Zwei Schwestern, die anonym bleiben möchten, haben das Grundstück geerbt und müssen hohe Steuern zahlen. Das Problem: Das denkmalgeschützte Haus blockiert das Baurecht auf dem Grundstück. Ein Verkauf im aktuellen Zustand ist kaum möglich. Deshalb wurde Immobilienmakler Oliver Herbst (54) kreativ und fand eine Lösung: Das Haus muss weg, muss aber erhalten bleiben. Also wird es verschenkt und soll an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

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Was das Haus so besonders macht

Es handelt sich um kein gewöhnliches Gebäude. Das Atelier-Haus wurde 1928 nach Plänen von Richard Riemerschmid (†1957) errichtet, einem prägenden Vertreter der Reformarchitektur. Seine Entwürfe stehen für den Übergang zu einer sachlicheren, funktionalen Bauweise – mit klaren Formen, natürlichen Materialien und viel Licht. Trotz der aufwendigen Bedingungen ist das Interesse groß. Rund 30 potenzielle Käufer haben sich bereits gemeldet, obwohl das Angebot bislang nur einem kleinen Kreis bekannt ist. Immobilien-Experte Oliver Herbst zu BILD: „Zwei sind bereits in der engeren Auswahl. Dabei handelt es sich um zwei Schlossbesitzer, die die Villa auf ihrem Grundstück als Eventlocation nutzen wollen. Das wäre toll, denn dann wäre das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich.“

Unterm Strich bleibt: Das Gratis-Haus ist kein Selbstläufer, aber eine seltene Chance. Wer bereit ist, Zeit, Organisation und Geld zu investieren, kann sich ein Stück Architekturgeschichte sichern und am Ende deutlich günstiger als bei einem Neubau wohnen. Für Liebhaber könnte sich das Abenteuer also durchaus auszahlen.

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