Kasseler Airport-Chef: Hohes Gehalt bei geringen Passagierzahlen
Die deutsche Reisebranche blickt derzeit mit Skepsis auf den Flughafen Kassel-Calden. Dort sorgt Geschäftsführer Lars Ernst (52) für kontroverse Diskussionen, nachdem er Verbindungen der umstrittenen Fluggesellschaft Fischer Air in den offiziellen Flugplan aufnehmen ließ - obwohl diese weder über eine Betriebsgenehmigung verfügt noch einen Vertrag mit dem Flughafen abgeschlossen hat. Kritiker vermuten, dass diese fragwürdigen Einträge lediglich dazu dienen sollten, den Flugplan optisch aufzuwerten.
Vergütung im Vergleich: Kassel vs. Großflughäfen
Besonders interessant ist die Vergütung von Lars Ernst, die vollständig vom Steuerzahler getragen wird. Laut einem öffentlichen Bericht des Landes Hessen über seine Beteiligungen verdiente Ernst im Jahr 2023 insgesamt 252.863,32 Euro inklusive Tantiemen. Seit 2017 ist er im Amt am als "Millionengrab" kritisierten Flughafen tätig. Auf Nachfrage wollte Ernst keine Details zu den Bonuszahlungen preisgeben.
Berechnet man diese Summe auf die Passagierzahlen um, ergibt sich ein bemerkenswerter Wert: Bei 108.000 Fluggästen im Jahr 2023 kostete Ernst pro Passagier stolze 2,34 Euro. Dieser Betrag steht in krassem Gegensatz zu anderen deutschen Flughäfen. Zum Vergleich: Fraport-CEO Dr. Stefan Schulte am Frankfurter Großflughafen kostet pro Passagier lediglich 3 Cent. Damit ist Ernsts Kosten pro Fluggast 78-mal höher als beim Frankfurter Kollegen.
Weitere Vergleichswerte deutscher Flughäfen
- Flughafen Dortmund: 488.373 Euro Jahresvergütung, 0,17 Euro pro Passagier
- Flughafen Stuttgart: rund 290.000 Euro Jahresvergütung, 0,03 Euro pro Passagier
- Flughafen Frankfurt: 1.658.300 Euro Jahresvergütung, 0,03 Euro pro Passagier
Dramatischer Passagierrückgang und steigende Kosten
Die Situation am Kasseler Flughafen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Während eine alte Bedarfsprognose für das Jahr 2020 noch 1.056.000 Passagiere vorhersagte, wurden diese Zahlen nie erreicht. Im Jahr 2025 brach die Passagierzahl sogar dramatisch auf nur noch 25.533 ein. Von 2023 bis 2025 ging die Zahl der Fluggäste um 76 Prozent zurück.
Sollte das Gehalt des Geschäftsführers mit seinen Tantiemen unverändert geblieben sein, würde es bei den aktuellen Passagierzahlen sogar mit 9,90 Euro pro Fluggast zu Buche schlagen. Rainer Holznagel, Präsident des Steuerzahler-Bundes, übt scharfe Kritik: "Ein kleiner Regionalflughafen mit dauerhaften Verlusten kann sich kein Gehalt leisten, das in keinem Verhältnis zur Leistung steht. Und wenn die Zahlen nicht tragen, dann tragen am Ende wieder die Steuerzahler die Last."
Fischer-Air-Affäre und Aufsichtsratsreaktion
Nachdem BILD ausführlich über den dubiosen Kasseler Flugplan berichtet hatte, reagierte der Aufsichtsrat. Aufsichtsratsvorsitzender Till Kaesbach (41), Staatssekretär im hessischen Finanzministerium, ließ über seinen Sprecher mitteilen: "Die Geschäftsführung wurde gebeten, die Darstellung im Flugplan sowie auf der Website zu überprüfen und dort nur solche Verbindungen zu führen, für die belastbare operative Voraussetzungen vorliegen." Daraufhin verschwanden sämtliche Fischer-Air-Verbindungen aus dem Flugplan.
Ernst rechtfertigte sein Vorgehen gegenüber BILD mit den Worten: "Es war die Abbildung gemeldeter Flugprogramme." Offenbar sah er in Geschäftsführer Václav Fischer (71) von der umstrittenen Airline einen potenziellen "Heilsbringer" für den Flughafen. Der Reiseunternehmer plant nun, seinen Flugbetrieb in Kassel im Oktober aufzunehmen.
Verluste und Gutachten zur tatsächlichen Belastung
Die wirtschaftliche Lage des Flughafens Kassel-Calden ist prekär. Laut Bilanz macht die Betreibergesellschaft jährlich einen Verlust von 5,3 Millionen Euro. Ein neues Gutachten, das von Katy Walther (51), verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Hessischen Landtag, in Auftrag gegeben wurde, kommt jedoch zu noch dramatischeren Zahlen.
Gutachter Professor Friedrich Thießen (68) von der TU Chemnitz berechnet eine jährliche Gesamtbelastung von 20 Millionen Euro bei nur 2,5 Millionen Euro Umsatz. Weitere Kostenfaktoren sind laut Thießen 3 Millionen Euro für Feuerwehr- und Sicherheitskräfte sowie jährliche Abschreibungen auf den Flughafen von 12 Millionen Euro.
Der Gutachter kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Der Flughafen befindet sich in einer "desaströsen Lage". Professor Thießen schreibt wörtlich: "Gebraucht wird der weiße Ritter, der die Hallen mit Leben füllt und lebhaften regionalen und internationalen Luftverkehr zaubert." Ob Václav Fischer dieser erhoffte Retter sein wird, bleibt abzuwarten.



