Eisengießerei Torgelow in Not: Großkunde bricht weg – was wird aus den Jobs?
Das Unternehmen benötigt ein Millionen-Darlehen der Landesregierung zur Überbrückung – weil plötzlich 60 Prozent des Umsatzes wegfallen. Das sind die Folgen und Pläne.
Sorge um Arbeitsplätze in Vorpommern: Die Eisengießerei Torgelow steht unter Druck. Der Eigentümer, die Silbitz-Gruppe mit Hauptsitz in Thüringen, benötigt ein Millionen-Darlehen der Landesregierung, um über die Runden zu kommen. Auslöser für eine Schieflage im Unternehmen sei das überraschende Wegbrechen eines Großabnehmers. In der Torgelower Eisengießerei sind mehr als 300 Menschen beschäftigt.
Das Unternehmen habe ein Landesdarlehen von rund 15 Millionen Euro beantragt, um die Ausfälle kompensieren zu können, bestätigt Geschäftsführer Torsten Tiefel gegenüber dem Nordkurier. Die erste Charge sei bereits ausgezahlt. „Zu marktüblichen Konditionen und unter Auflagen.“ Das Land fungiert dabei quasi als Bank, die gegen Zinsen Geld verleiht. Das Unternehmen hat sich auf Gussteile für Windkraftanlagen spezialisiert, darunter große Offshore-Dimensionen.
Machtlos gegenüber der Konkurrenz aus China
Ursache der Notlage: Der Windkraft-Gigant Siemens Gamesa, seit Jahren größter Kunde der Eisengießerei, habe einen Auftragsstopp verkündet. Etwas, das das Unternehmen in Vorpommern schwer treffe. Größenordnung: Von 75 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr seien 45 Millionen über Siemens Gamesa gekommen. Was Tiefel wurmt: Siemens Gamesa habe erklärt, man werde die Teile künftig günstiger von Herstellern aus China beziehen. Mit Dumpingpreisen aus Asien könne man nicht mithalten.
Die Landesregierung bestätigt die Zusage für das Darlehen nach Torgelow. „Die Eisengießerei ist einer der wichtigsten Industriestandorte im Land“, sagt Patrick Dahlemann (SPD), Chef der Schweriner Staatskanzlei. „Der Wegfall von Siemens Gamesa muss überbrückt werden.“ Jetzt sei vor allem wichtig, „die Arbeitsplätze zu sichern“.
Die Zukunft liegt in Großmotoren
Tiefel reagiert sehr dankbar. Die Landesregierung habe sehr schnell gehandelt. Dies gebe dem Unternehmen Zeit, sich neu auf dem Markt zu positionieren. Man wolle jetzt Windrad-Komponenten reduzieren und hin zu Großmotoren – etwa für Schiffe oder KI-Rechenzentren. Zuletzt habe das Unternehmen stets schwarze Zahlen geschrieben.
Die Geschäftsführung habe bereits die Mitarbeiter der Eisengießerei informiert. Noch sei die Belegschaft „nicht verunsichert“, berichten Insider. Sie schenke der Aussage Glauben, dass der Kredit nur Überbrückung zu neuen Aufträgen sein soll. Tiefel versichert: Alle sollen ihren Job behalten. „Es findet kein Mitarbeiter-Abbau statt.“ Mit neuen Auftraggebern sei man in guten Gesprächen.
Die Eisengießerei in Torgelow blickt auf eine lange Tradition von mehr als 250 Jahren zurück. Das Unternehmen erzielt nach eigenen Angaben 90 Prozent des Umsatzes durch Aufträge aus dem Bereich erneuerbarer Energien. Die Silbitz Gruppe hat insgesamt 1100 Beschäftigte.
Die Kündigung des Großauftrags durch Siemens besorgt den Chef der Eisengießerei sehr. Dies zeige, wie schlecht die Wirtschaft im internationalen Wettbewerb aufgrund unfairer Rahmenbedingungen aufgestellt ist. In China werde etwa zu einem Zehntel der Energiekosten hier produziert.
Dabei setze sein Unternehmen auf Nachhaltigkeit. 70 Prozent der in Torgelow verbrauchten Energie stamme aus erneuerbaren Ressourcen. „Ich mache mir große Sorgen um den Industriestandort Deutschland und Europa“, so Tiefel. „Es kann nicht sein, dass wir die Energiesicherheit Europas in asiatische Hände legen.“



