Industrie auf Hannover Messe warnt vor Dauerkrise durch Iran-Krieg und Zölle
Industrie warnt auf Hannover Messe vor Dauerkrise

Industrie fordert auf Hannover Messe Reformwende von der Politik

Die deutsche Industrie steht unter massivem Druck durch hohe Kosten und geopolitische Risiken. Auf der Hannover Messe, die am Montag mit mehr als 3.000 Ausstellern startete, fordern führende Verbände eine grundlegende Reformwende von der Bundesregierung. Der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath, betonte, dass kurzfristiges Krisenmanagement durch strukturelle Reformen ersetzt werden müsse, um dauerhafte Wachstumsimpulse zu schaffen.

Reformstau und Belastungen bringen Industrie an Grenzen

Kawlath warnte eindringlich: „Wenn die Politik in Brüssel und Berlin jetzt nicht umsteuert, wird der langfristige Schaden in der Industrie nicht mehr behebbar sein.“ Die Grenzen der Leidensfähigkeit seien erreicht, insbesondere durch die Folgen des Iran-Kriegs und der US-Zollpolitik. Der VDMA-Präsident forderte konkrete Maßnahmen:

  • Senkung der Unternehmenssteuern
  • Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge
  • Lockerung der Regeln für die Wochenarbeitszeit
  • Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung

Gunther Kegel, Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, unterstützte diese Forderungen und mahnte: „Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden.“ Bisher würden Reformen viel zu zaghaft angegangen, während neue Belastungen die Unternehmen zur Verzweiflung brächten.

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Iran-Krieg und Zölle drehen Stimmungswende

Nach einer allmählichen Verbesserung der Unternehmensstimmung bis Ende 2025 habe sich die Situation im ersten Quartal 2026 deutlich verschlechtert. Kawlath erklärte: „Die Risiken des Iran-Krieges, US-Zölle, dauerhaft erhöhte Energiepreise, eine allgemein höhere Inflation und Störungen in den Lieferketten heizen die nach wie vor hohe Unsicherheit weiter an.“ Trotz dieser Herausforderungen geht der VDMA für 2026 von einer leichten Erholung mit einem Produktionsplus von einem Prozent im Maschinen- und Anlagenbau aus. Der ZVEI rechnet sogar mit zwei Prozent mehr Produktion in der Elektro- und Digitalindustrie – vorausgesetzt, die Lage im Iran normalisiert sich bis Mitte des Jahres.

Rüstungsinvestitionen und KI als Wachstumschancen

Trotz der Krisenstimmung sieht die Industrie auch bedeutende Chancen. Die geplanten Milliardeninvestitionen in Verteidigung bieten Potenzial für Maschinen- und Anlagenbauer, die als Ausrüster helfen können, die Produktion hochzufahren. Aktuell macht die Branche geschätzt zwei bis fünf Prozent ihres Umsatzes in diesem Bereich, was sich innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln ließe.

Weiteren Schub erwarten die Fabrikausrüster von den Trends zu Künstlicher Intelligenz (KI) und humanoiden Robotern. ZVEI-Chef Kegel betonte: „Technologisch herrscht Aufbruchstimmung. Die Industrie steht an der Schwelle des nächsten großen industriellen Entwicklungsschritts.“ Humanoide Roboter in der Industrie stellen hier eine große Chance dar. VDMA-Chef Kawlath fügte hinzu: „Jetzt entscheidet sich, ob Europa Gestalter eines neuen industriellen Ökosystems wird – oder vor allem Anwender fremder Technologien.“

Hannover Messe als globale Industrieschau

Mehr als 3.000 Aussteller aus Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie Energiewirtschaft präsentieren bis Freitag ihre Neuheiten auf der Hannover Messe. Hauptthemen sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Neben Technologie-Giganten wie Microsoft, SAP und Siemens sind auch zahlreiche Mittelständler und Start-ups vertreten. Im Jahr 2025 zählte die weltweit wichtigste Industrieschau 127.000 Besucher.

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