Der Industriekonzern Thyssenkrupp wird seine Stahlsparte vorerst doch nicht an den indischen Konkurrenten Jindal verkaufen. Wie das Unternehmen am Samstag in Essen mitteilte, haben beide Seiten beschlossen, die seit September vergangenen Jahres laufenden Verhandlungen auf Eis zu legen. Stattdessen solle die Sparte nun aus eigener Kraft saniert und profitabel gemacht werden. Mittelfristig bleibt jedoch eine Trennung vom Stahlgeschäft das erklärte Ziel.
Verbesserte Rahmenbedingungen in Europa
Als Hauptgründe für den Stopp der Gespräche nannte Thyssenkrupp die besseren Rahmenbedingungen für Stahlhersteller in Europa sowie die Fortschritte bei der Sanierung der eigenen Stahlsparte. Die Europäische Union habe die Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und zugesagt, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen, hieß es in der Mitteilung. Zudem wolle die EU die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter fördern.
Thyssenkrupp-Chef Miguel López betonte: „Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft. Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr.“
Verselbstständigung als mittelfristiges Ziel
Mittelfristig strebt Thyssenkrupp weiterhin eine Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe an, bei der die Muttergesellschaft möglicherweise eine Minderheitsbeteiligung hält. Jindal sei während der gesamten Gespräche ein konstruktiver und engagierter Partner gewesen, doch habe man gemeinsam beschlossen, die Verhandlungen vorerst auszusetzen.
Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und Jindal Steel hatten Mitte September 2025 begonnen, als der familiengeführte indische Konzern ein unverbindliches Angebot für die Stahlsparte abgab. Das für Firmenübernahmen zuständige Vorstandsmitglied Volkmar Dinstuhl hatte im Dezember erklärt, dass das Angebot auf eine mehrheitliche Übernahme abziele. Nun bleiben die Pläne vorerst auf Eis.



