Oster-Engpass: Eierknappheit in Deutschland durch Tierseuchen und steigende Nachfrage
Eierknappheit vor Ostern: Tierseuchen und hohe Nachfrage

Oster-Engpass: Eierknappheit in Deutschland durch Tierseuchen und steigende Nachfrage

Vor Ostern fragen sich viele Verbraucher in Deutschland, ob es zum Fest genügend Eier geben wird. Die Nachfrage ist traditionell hoch, doch Tierseuchen wie die Vogelgrippe und die neu aufgetretene Newcastle Disease sorgen für erhebliche Probleme bei den Produzenten. Dies führt zu teils leeren Regalen in Supermärkten und Discountern, wo einzelne Sorten fehlen und die Auswahl eingeschränkt ist.

Lage in den Geschäften: Leere Regale und Lieferprobleme

Kundinnen und Kunden stehen in diesen Tagen manchmal vor vollständig oder fast leeren Regalen. In einigen Edeka-Märkten in Berlin war dies zuletzt zu beobachten, wo Schilder auf Lieferschwierigkeiten hinwiesen. Eine Sprecherin der Edeka-Region Minden-Hannover bestätigte, dass die Verfügbarkeit von Eiern weiterhin eine Herausforderung für den Handel darstellt. Durch gezielte Umlagerungen innerhalb des Absatzgebietes könne man in weiten Teilen die Grundversorgung sicherstellen.

Andere Händler berichten ebenfalls von Problemen. Frederic Knaudt vom Lebensmittel-Lieferdienst Picnic erklärte, der Eiermarkt sei derzeit angespannt und das Angebot teilweise begrenzt, was punktuell zu Engpässen führen könne. Ein Rewe-Sprecher betonte, die Situation bleibe aufgrund der Vogelgrippe und der Newcastle-Krankheit für die gesamte Branche herausfordernd. Lidl registrierte vor Ostern eine höhere Nachfrage nach Eiern, doch grundsätzlich sei die Warenversorgung sichergestellt. Kaufland versicherte, dass bei kurzzeitigen Lieferverzögerungen die Regale schnellstmöglich wieder aufgefüllt würden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Entwicklung des Eierkonsums: Steigender Pro-Kopf-Verbrauch

Die Menschen in Deutschland essen immer mehr Eier. Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 252 Stück verzehrt, was vier Eier mehr als im Vorjahr entspricht. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) gab kürzlich auf Basis vorläufiger Zahlen bekannt, dass der Konsum bereits seit 2022 kontinuierlich zunimmt. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei durchschnittlich 234 Eiern im Jahr. In diesen Zahlen sind auch verarbeitete Eier inbegriffen.

Zu Ostern ist die Nachfrage deutlich höher. Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov wurden im März und April 2025 in Deutschland pro Monat rund 1,1 Milliarden Eier gekauft, etwa 14 Prozent mehr als in den übrigen Monaten, in denen es im Schnitt etwa 973 Millionen waren. Etwa 90 Prozent der in diesen Monaten gekauften Eier sind roh, der Rest bunte gekochte Eier. 2025 wurden 108 Millionen bunte gekochte Eier erworben, 11 Prozent mehr als im Vorjahr, was möglicherweise mit einem steigenden Bedürfnis nach Bequemlichkeit zusammenhängt.

Gründe für den erhöhten Eierkonsum

Josef Goos, Leiter des BZL, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. "Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar." Ein weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb sein. Goos bezeichnet die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt. "Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern. Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände", sagte der Experte. Als Ursachen nannte er die Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung.

Auswirkungen von Tierseuchen: Newcastle Disease und Vogelgrippe

Im Februar kam es in Brandenburg und Bayern zu mehreren Ausbrüchen der hochansteckenden Newcastle Disease, die hierzulande zuletzt vor rund 30 Jahren aufgetreten war. Das Friedrich-Loeffler-Institut schätzt die Gefährdungslage für Geflügel- und andere Vogelarten als erheblich ein. Betroffen sind vor allem Hühner und Puten, aber auch andere Vogelarten können das Virus verbreiten. Für Verbraucher ist die Krankheit nicht gefährlich.

Das Virus wird über Körpersekrete und Kot erkrankter Tiere ausgeschieden, und betroffene Tierbestände müssen sofort getötet werden. In Brandenburg mussten bis zur vierten März-Woche rund 2,1 Millionen Tiere getötet werden. Für die Krankheit gibt es eine Impfpflicht, doch eine Infektion ist trotz Impfung möglich, wobei geimpfte Tiere schwerer zu infizieren sind.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Hans-Peter Goldnick, Chef des Bundesverbands Ei, betonte, die Folgen von Newcastle Disease und Vogelgrippe seien in den Ställen deutlich spürbar. Durch die Seuchen habe man bisher ungefähr vier Prozent der Legehennen verloren, was angesichts der hohen Nachfrage eine entscheidende Größe sei.

Selbstversorgungsgrad und Importabhängigkeit

Deutschland kann seinen Eierbedarf nicht vollständig decken. Vergangenes Jahr wurden 15,3 Milliarden Konsumeier erzeugt, etwas mehr als 2024 (15,2 Milliarden). Der Inlandsbedarf konnte damit nur zu 72 Prozent mit heimischer Ware gedeckt werden, und der Selbstversorgungsgrad ging bereits das vierte Jahr in Folge zurück. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, muss Deutschland mehr als ein Viertel des Bedarfs importieren. Wichtigstes Lieferland für Schaleneier sind die Niederlande mit einem Anteil von 69 Prozent, gefolgt von Polen mit knapp 16 Prozent.

Preisentwicklung und Ausblick

Verbraucher in Deutschland mussten für Eier zuletzt deutlich mehr bezahlen: Im Februar waren Eier nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Schnitt 14,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Auch die Großmarktpreise liegen laut dem Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) auf einem sehr hohen Niveau.

Die aktuelle Knappheit dürfte die Kunden von Discountern und Supermärkten aber nicht unmittelbar im Geldbeutel spüren, da der Lebensmitteleinzelhandel feste Jahresverträge mit den Produzenten hat. MEG-Expertin Margit Beck sagte, es gebe keine Veranlassung, vor Ostern an der Preisschraube zu drehen. Auch Eier-Verbandschef Goldnick rechnete nicht damit, dass der derzeitige Engpass kurzfristig zu weiteren Preiserhöhungen führen wird. Im Spätsommer verhandeln Produzenten und Lebensmittelhandel jedoch über neue Lieferverträge, und Goldnick ging davon aus, dass angesichts der Lage viele dort höhere Preise einfordern werden.