Roter Franzapfel als Apfel des Jahres im Freilichtmuseum Kiekeberg gepflanzt
In vielen privaten Gärten und auf Wiesen finden sich noch heute alte Obstbäume, die an vergangene Zeiten erinnern. Zahlreiche Sorten sind inzwischen fast unbekannt, obwohl sie oft besonders schmackhaft und robust sind. Der Apfel des Jahres und die Kartoffel des Jahres setzen hier ein wichtiges Zeichen für den Erhalt dieser kulinarischen Schätze.
Seltene Winterapfelsorte findet neuen Standort
Seit vielen Jahren wird traditionell der Apfel des Jahres gepflanzt – in diesem Jahr ist es der Rote Franzapfel, eine typische und seltene Winterapfelsorte. Ein Bäumchen dieser alten Sorte hat nun seinen Platz im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Rosengarten im Landkreis Harburg gefunden. Der Rote Franzapfel zeichnet sich durch seine ausgezeichneten Lagereigenschaften aus, ist aber kaum noch in modernen Hausgärten anzutreffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten viele Familien Obst und Gemüse in ihren kleinen Gärten an, um sich selbst zu versorgen. Einige der robusten Sorten sind jedoch im Laufe der Zeit aus der Mode gekommen. Die Pflanzung des Apfels des Jahres erinnert an diese Tradition und bewahrt das kulturelle Erbe.
Herkunft und Eigenschaften des Roten Franzapfels
Die Landesbauernkammer Schleswig-Holstein vermutet, dass der Rote Franzapfel aus dem Roten Eiserapfel entstanden ist und ursprünglich aus dem Norden Deutschlands stammt. Erntereif ist diese Apfelsorte frühestens ab Oktober, während die Genussreife zwischen Februar und Anfang April liegt, wie der Pomologen-Verein in Hamburg mitteilt. Der Geschmack der dunkelroten Frucht wird als mild süßlich beschrieben, ohne ausgeprägtes Aroma.
Parallel dazu wurde die Karlena als Alte Kartoffel des Jahres ausgezeichnet. Diese mehlig kochende Sorte stammt aus Karow in der ehemaligen DDR und findet ebenfalls einen Platz auf dem Gelände des Freilichtmuseums Kiekeberg, genauer gesagt am Flüchtlingshaus in der Königsberger Straße.
Rückbesinnung auf traditionelle Selbstversorgung
In der Nachkriegszeit dienten Obstbäume in Gärten und entlang der Straßen der Selbstversorgung der Dorfbevölkerung. Seit dem Jahr 2001 wird der Apfel des Jahres gepflanzt – damals war es der Finkenwerder Herbstapfel. Früher gab es eine wesentlich größere Vielfalt an Obstsorten, die oft besonders robust und geschmackvoll waren.
Im Kleingarten am original erhaltenen Flüchtlingshaus von 1955 werden jährlich alte Obst- und Gemüsesorten angepflanzt. Dies ist Teil des Projekts Königsberger Straße, das Gebäude und Einrichtungen aus den 1950er bis 1970er Jahren zeigt und veranschaulicht, wie die Bundesrepublik Deutschland nach den Kriegsjahren wieder auf die Beine kam.
Museumsdirektor betont Bedeutung des Sortenerhalts
Wir bewahren alte Gemüsesorten und wollen die Menschen sensibilisieren, denn leider gibt es sie nicht mehr im Supermarkt, erklärt Museumsdirektor Stefan Zimmermann. Viele der alten Früchte seien gut verträglich und auch für Allergiker geeignet, was ihren Wert zusätzlich unterstreiche.
In den Nachkriegsjahrzehnten sei die Selbstversorgung ein zentraler Gedanke gewesen. Es war eine Selbstverständlichkeit, um durch das Jahr zu kommen, es wurde auch viel mit den Nachbarn getauscht, erzählt Zimmermann. Heutzutage gebe es jedoch wieder eine Rückbesinnung auf diese Tradition – viele Menschen pflanzen sich erneut einen Apfelbaum in den Garten und entdecken so die Vorzüge alter Sorten neu.



