Niedersachsen: Enttäuschung bei Schafhaltern über Wolfsjagd-Empfehlungen
Schafhalter enttäuscht über Wolfsjagd-Empfehlungen in Niedersachsen

Niedersachsen: Schafhalter reagieren enttäuscht auf Wolfsjagd-Empfehlungen

Nach der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdrecht hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium konkrete Handlungsempfehlungen veröffentlicht – und damit bei Schafhaltern für massive Enttäuschung gesorgt. Die Empfehlungen sehen vor, dass im Jagdjahr 2026/2027 maximal 27 ausgewachsene Wölfe abgeschossen werden dürfen, um die Tierart nicht zu gefährden. Diese Zahl schließt jedoch auch sogenanntes Fallwild ein, also Tiere, die bereits durch Krankheit, Hunger oder Verkehrsunfälle getötet wurden.

Kritik als „politisches Wegschauen“

Der Vorsitzende des Fördervereins der deutschen Schafhaltung, Wendelin Schmücker, reagierte scharf auf die Veröffentlichung. Er bezeichnete die Empfehlungen als „politisches Wegschauen auf Kosten unserer Weidetierhalter“. Selbst die geringe Obergrenze von 27 Tieren umfasse bereits Wölfe, die im Straßenverkehr gestorben seien. „27 Wölfe – und ein Großteil davon liegt bereits auf der Straße. Das ist kein Management, das ist politische Realitätsverweigerung“, kritisierte Schmücker.

Ministerium sieht Empfehlungen als Richtschnur

Eine Sprecherin des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums betonte hingegen, dass mit dem Inkrafttreten des Bundesjagdgesetzes das sogenannte Schnellabschussverfahren möglich sei, wenn Wölfe den Herdenschutz überwinden. Das Landesjagdgesetz werde entsprechend angepasst werden. Bis dahin dienten die Handlungsempfehlungen als Orientierungshilfe oder Richtschnur für Jäger und Naturschutzbehörden.

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Hintergrund: Erleichterter Abschuss beschlossen

Anfang März hatte der Bundestag zum Schutz von Weidetieren einen erleichterten Abschuss von Wölfen beschlossen. Das Tier wurde ins Jagdrecht aufgenommen, wodurch sogenannte Problemwölfe einfacher getötet werden können – etwa wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. Diese bundesweite Regelung bildet die Grundlage für die nun veröffentlichten landesspezifischen Empfehlungen.

Wolfsdichte in Niedersachsen besonders hoch

Laut Angaben des Fördervereins der deutschen Schafhaltung leben in Niedersachsen derzeit rund 58 Wolfsrudel, was einem Gesamtbestand von etwa 450 bis 600 Wölfen entspricht. Nach Auswertung der Monitoringdaten wurden allein im Jahr 2025 etwa 25 bis 40 Wölfe in Niedersachsen tot gefunden, davon rund 20 bis 30 im Straßenverkehr getötet. Bundesweit wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1.600 Wölfe gezählt, mit Schwerpunkten im Gebiet von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen.

Schmücker: „Verwaltung des Problems“ statt Management

Wendelin Schmücker übte weiter scharfe Kritik an den Vorgaben: „Wir haben in Niedersachsen eine der höchsten Wolfsdichten Europas, aber gleichzeitig eines der schwächsten Instrumente zur Regulierung.“ Er betonte: „Was hier als Wolfsmanagement verkauft wird, ist in Wahrheit eine reine Verwaltung des Problems.“ Durch die Einbeziehung des Fallwilds bleibe „am Ende praktisch kein Handlungsspielraum mehr“ für eine effektive Regulierung der Wolfsbestände zum Schutz der Weidetiere.

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