Internet-Abschaltungen in Belgorod: Warnsysteme versagen, Bevölkerung in Lebensgefahr
Internet-Abschaltungen in Belgorod: Warnsysteme versagen

Internet-Abschaltungen in Belgorod: Warnsysteme versagen, Bevölkerung in Lebensgefahr

Im russischen Grenzgebiet zur Ukraine werden Handynetze aus sogenannten Sicherheitsgründen stunden- oder sogar tagelang abgeschaltet, um ukrainische Drohnenangriffe zu erschweren. Doch genau diese Maßnahmen entwickeln sich zu einer direkten Gefahr für die Zivilbevölkerung, insbesondere in der stark umkämpften Region Belgorod.

Warnmeldungen erreichen Bewohner nicht mehr

Ein Bewohner schildert in sozialen Netzwerken die dramatischen Folgen der Internet-Blockade: „Ich habe gegen 15 Uhr eine Explosion über mir gehört. Später stellte sich heraus, dass die Warnung vor der Drohne schon Minuten vorher da war, aber nicht übermittelt wurde.“ Und weiter: „Auf dem Handy kam gar nichts an, weder über die Notfall-App noch über die Telegram-Kanäle. Faktisch heißt das: Uns wurden die Warnsysteme weggenommen. Ersatz gibt es nicht.“

Zum Vergleich: In Deutschland kennt man solche Warnungen etwa vom bundesweiten Warntag oder aus Katastrophenlagen – Meldungen, die direkt aufs Handy geschickt werden und vor Gefahr warnen. Genau solche lebensrettenden Hinweise bleiben jetzt in Belgorod im Ernstfall aus.

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Telegram-Sperre verschärft die Situation

Der Messenger Telegram, der laut Berichten von mehr als 70 Millionen Menschen in Russland genutzt wird, funktioniert nur noch eingeschränkt. Auch der staatliche Ersatz-Messenger „Max“ versagt regelmäßig. Der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, räumte ein, dass Warnmeldungen nicht zuverlässig ankommen. Als Grund nannte er die Abhängigkeit von ausländischer Software.

Die Lage könnte sich noch weiter zuspitzen: Telegram soll in Russland ab dem 1. April vollständig blockiert werden. Der Kreml wirft den Betreibern des Messengers „Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten“ vor.

Medizinische Geräte und Einsatzkräfte betroffen

Die Folgen der Internet-Abschaltung gehen weit über verpasste Warnmeldungen hinaus:

  • In Belgorod berichten Eltern von Kindern mit Diabetes, dass Geräte zur Blutzuckerüberwachung nicht mehr richtig funktionieren. Die Geräte übertragen die Messwerte per mobilem Internet – bei Abschaltungen kommen kritische Werte verzögert oder gar nicht an.
  • Für Einsatzkräfte wird die Lage zunehmend gefährlich. Energiearbeiter, die nach Beschuss Stromanlagen reparieren, haben oft keine Chance mehr, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Ein Arbeiter berichtet: „Früher hatten wir wenigstens Sekunden, um uns zu schützen. Jetzt gibt es keine rechtzeitigen Sirenen, keine Telegram-Warnungen, keine Internetverbindung. Die Explosion kommt einfach.“

Hintergrund: Belgorod im Dauerbeschuss

Die Ukraine beschießt die Stadt Belgorod direkt an der Grenze seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 immer wieder – mit Raketen, Artillerie und Drohnen. Umso wichtiger wären funktionierende Warnsysteme, doch genau daran hapert es durch die Internet-Abschaltungen.

Die russischen Behörden rechtfertigen die Netzabschaltungen mit der Behauptung, ukrainische Drohnen würden teils das Mobilfunknetz zur Steuerung nutzen. Doch die Maßnahme trifft vor allem die eigene Bevölkerung, die nun ohne zuverlässige Warnungen den ständigen Angriffen ausgesetzt ist.

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