Wiesn-Revolution im Anmarsch? Giesinger Bräu sammelt bereits über 10.000 Unterschriften für Bürgerbegehren
Knapp fünf Wochen nach dem Start eines Bürgerbegehrens für ihre Zulassung zum Münchner Oktoberfest hat die Giesinger Brauerei einen bemerkenswerten Erfolg vermelden können. Bereits mehr als 10.000 der notwendigen 40.000 Unterschriften wurden gesammelt, wie die Brauerei auf ihrer Internetseite mitteilte. Das Ziel ist eindeutig: Die Erzwingung eines Bürgerentscheids über die Zulassung von Giesinger Bräu zur Wiesn im Jahr 2027.
Rasante Unterschriftensammlung
Laut aktueller Zählung auf der Internetseite der Brauerei waren es genau einen Monat nach der öffentlichen Bekanntgabe durch Brauereichef Steffen Marx beim Start des Starkbierfestes bereits 10.307 Stimmen. "Wir haben auch schon Unterschriften durch alle Parteien durch", erklärte ein Sprecher der Brauerei. Die Frage beim geplanten Bürgerentscheid lautet nach Angaben der Brauerei: "Bist Du dafür, dass die Landeshauptstadt München ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesinger Bräu auf dem Münchner Oktoberfest erlaubt?"
Historische Bedeutung des Vorhabens
Ein weiteres Bier auf der Wiesn wäre tatsächlich nichts weniger als eine kleine Revolution. Seit vielen Jahrzehnten sind dort nur sechs traditionsreiche Brauereien zugelassen:
- Augustiner
- Hacker Pschorr
- Hofbräu
- Löwenbräu
- Paulaner
- Spaten
Seit die Konkurrenz aus Giesing sich dank eines Tiefbrunnens im Stadtgebiet offiziell Münchner Bier nennen darf, will sie auch ein Stück vom lukrativen Wiesn-Kuchen abhaben. Die Brauerei gibt jedoch an, an städtischen Hürden zu scheitern.
Scharfe Kritik vom Wiesn-Chef
Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) weist diese Vorwürfe entschieden zurück. "Die Brauerei könnte einfach mal einen Antrag stellen, wie ihn jeder andere Wiesn-Beschicker auch stellt", so Scharpf. Die Stadt könne diesen prüfen und bewerten, jedoch sei bislang kein solcher Antrag von Giesinger Bräu eingegangen.
"Deswegen ist es schon etwas befremdlich, ein Bürgerbegehren anstreben zu wollen, ohne es vorher überhaupt einmal mit dem gängigen Verfahren probiert zu haben, dem sich alle anderen auch stellen", kritisierte Scharpf weiter. Er habe die Vertreter von Giesinger Bräu gefragt, warum sie in den vergangenen Jahren nicht kleinere Volksfeste oder Veranstaltungen in der Stadt und der Region bespielt hätten, um Erfahrungen zu sammeln.
Nächste Schritte und Ausblick
Auf der Geburtstagsparty der Brauerei am 24. Juli 2026 soll im Werk2 eine Stimmauszählung stattfinden, die – so hofft die Brauerei – positiv ausfallen wird. Die gesammelten Unterschriften müssen nun fristgerecht bei der Stadt München eingereicht werden, um den Bürgerentscheid tatsächlich zu erzwingen.
Die Debatte um die mögliche Zulassung einer siebten Brauerei auf dem Oktoberfest verspricht in den kommenden Monaten weiter an Schärfe zu gewinnen. Während die Giesinger Brauerei auf breite Bürgerunterstützung setzt, bleiben die traditionellen Wiesn-Brauereien und die Stadtverwaltung vorerst skeptisch.



