Historische Stadtführungen in Neubrandenburg starten wieder
Endlich ist es wieder soweit! Seit März beginnen die beliebten Historischen Stadtführungen in Neubrandenburg erneut. Ab sofort finden an jedem dritten Samstag im Monat spannende Touren statt, bei denen interessierte Besucher teilnehmen können. Diese besonderen Führungen bieten einen einzigartigen Blick auf die Geschichte der Vier-Tore-Stadt.
Mudder Schulten: Die legendäre Bäckerfrau
Sie ist die wohl bekannteste Bäckerfrau der Vier-Tore-Stadt: Mudder Schulten. Als eine der Hauptfiguren der Historischen Stadtführung zieht sie regelmäßig durch Neubrandenburg und nimmt ihre Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise in die Vergangenheit. Wie es ist, in diese historische Rolle zu schlüpfen, verrät ihre Darstellerin Ilona Döbbert im ausführlichen Gespräch.
Mit einem weißen Käppchen auf dem Kopf, einem geflochtenen Weidenkorb in der Hand und flotten plattdeutschen Sprüchen auf den Lippen schreitet Mudder Schulten durch die Straßen Neubrandenburgs. Sie ist eine von insgesamt elf historischen Figuren, die im Rahmen der Stadtführungen der Veranstaltungszentrum Neubrandenburg GmbH sowohl neugierigen Urlaubern als auch waschechten Neubrandenburgern die Stadt aus einem völlig anderen Blickwinkel präsentieren.
Eine Rolle mit langer Tradition
Die Figur Mudder Schulten hat in Neubrandenburg eine beeindruckend lange Tradition. Bereits im Jahr 1969, zur feierlichen Eröffnung der Stadthalle, trat sie erstmals als historische Stadtfigur öffentlich in Erscheinung. Später übernahm Erika Pellwiltz diese bedeutende Rolle. „Wir haben beide an der Niederdeutschen Bühne Theater gespielt und dabei ein sehr gutes, vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut“, erinnert sich Ilona Döbbert an ihre mittlerweile verstorbene Freundin, die für sie weit mehr als nur eine Kollegin war. „Nach ihrem Tod hat man mich gefragt, ob ich für sie weiterspiele. Im Jahr 2018 habe ich die Rolle dann schließlich übernommen.“
Ganz leicht fiel ihr diese wichtige Entscheidung zunächst nicht. Erst nach einem ganzen Jahr der Trauer nahm sie die verantwortungsvolle Aufgabe an. Auch, um den besonderen Wunsch ihrer verstorbenen Freundin weiterzutragen und ihr Andenken zu bewahren.
Gründliche Vorbereitung und kontinuierliche Entwicklung
Um der historischen Rolle wirklich gerecht zu werden, hieß es am Anfang erst einmal mitlaufen, mitschreiben und viel mit anpacken. „Ich bin bei den anderen Figuren mitgegangen und habe genau geschaut, was sich auch für meine eigene Tour übernehmen lässt. Jede Figur gestaltet ihre Führung anders und bringt ihren persönlichen Charakter ein“, erklärt Ilona Döbbert ausführlich. Dazu kam eine umfangreiche Recherchearbeit, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Immer wieder entdeckt sie neue, faszinierende Details über die reiche Stadtgeschichte oder über Mudder Schulten selbst. Dadurch entwickeln sich auch ihre Führungen ständig weiter und bleiben lebendig.
Dabei verrät Ilona Döbbert auch ein spannendes Detail, das sich wahrscheinlich viele Neubrandenburger schon lange fragen: Gab es Mudder Schulten wirklich? Die meisten kennen die Figur hauptsächlich aus Fritz Reuters berühmter Humoreske „Durchlaucht“. Doch Mudder Schulten gab es tatsächlich als historische Person. „Sie lebte von 1727 bis 1802 und hatte ihre Backstube direkt am Marktplatz“, plaudert Ilona Döbbert aus dem Nähkästchen, und schließt es gleich wieder, denn wer mehr erfahren möchte, sollte sich einfach einmal auf eine ihrer authentischen Touren einlassen.
Der Rundgang durch die Vier-Tore-Stadt
Wer sich für eine Stadtführung mit der ikonischen Bäckerfrau entscheidet, startet in der Regel am historischen Marktplatz. Von dort führt der Weg zunächst zum informativen Stadtplan. Dort wird die Gründung der Stadt ausführlich erklärt sowie der charakteristische schachbrettartige Aufbau des Stadtgrundrisses erläutert. Anschließend geht es weiter zum imposanten Fangelturm. Danach führt der Weg zur bewegenden Skulptur „Die Trauernde“ und schließlich zur Figur der Mudder Schulten selbst.
Im weiteren Verlauf werden folgende bedeutende Stationen besucht:
- Die historische Kirche
- Das informative Regionalmuseum
- Das beeindruckende Kloster
- Die alten Wieghäuser
- Das Friedländer Tor
Dort verläuft der Rundgang auch ein Stück entlang des alten Walls, von dem aus die ehemalige Stadtbefestigung besonders gut erkennbar ist. Danach führt der Weg zu den traditionellen Mudder-Schulten-Stuben. Durch die malerische Pfaffenstraße geht es weiter zum Reuterhaus und schließlich zur beeindruckenden Konzertkirche, die den würdigen Abschluss des gesamten Rundgangs bildet.
Geschichte zum Anfassen und Schmecken
Die faszinierende Geschichte transportiert Ilona Döbbert dabei nicht nur mit informativen Worten – auch der Magen soll bei der Stadtführung auf seine Kosten kommen. „Ich habe immer frisch gebackene, duftende Haferkekse dabei“, erzählt sie mit einem warmen Lächeln. Diese süße Stärkung ist jedoch nicht dazu gedacht, dass Besucher nur noch mit Mudder Schulten auf Streifzug durch die Vier-Tore-Stadt gehen wollen.
Auch die anderen historischen Figuren bringen ihren ganz eigenen Charakter in ihre Führungen ein:
- Graf Johann T’Serclaes von Tilly
- Adolf Friedrich der IV., Herzog von Mecklenburg-Strelitz
- Dodo Freiherr von Innhausen und zu Knyphausen
- August Mercker
- Fritz Reuter
- Herbord von Raven
- Friederike von Kimsky
- Müller Bernhard
- Matthias Gerling
„Meine Tour dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden, und wir sehen dabei knapp ein Viertel der gesamten Stadt“, sagt Ilona Döbbert. „Wer wirklich alles entdecken und die Vielfalt der Stadtgeschichte erleben möchte, sollte sich auch die anderen interessanten Führungen nicht entgehen lassen.“
Alle aktuellen Termine für die Historischen Stadtführungen sind auf der offiziellen Website des Veranstaltungszentrums Neubrandenburg verfügbar und können dort eingesehen werden.



