Hostel-Urlaub mit über 40: Warum ich das Chaos liebe
Hostel-Urlaub mit über 40: Warum ich das Chaos liebe

Urlaub im Hostel? Was für viele absolut nicht verlockend klingt, ist für TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann ein Abenteuer. Warum er auch mit über 40 noch gerne in Hostels übernachtet, lesen Sie hier.

Ich bin über 40 – und schlafe freiwillig im Zwölfbettzimmer

Weil Hostels für mich mehr sind als nur eine billige Unterkunft. Wer unterwegs schnell Leute kennenlernen und dabei noch Geld sparen will, landet früher oder später im Hostel. Für viele ist es nur eine Zwischenstation. Für manche wird es zur Homebase. Für mich immer wieder beides.

Hostels sind günstig – und voller Begegnungen

Wenn es ums Reisen geht, bin ich wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Oder wie Goethes Faust, in dessen Brust zwei Seelen wohnen. Die eine sucht Einsamkeit in der Natur, Abenteuer fernab der Zivilisation. Die andere giert nach Begegnungen mit Menschen jeden Alters, die genauso reisefiebrig sind wie ich. Ein Teil von mir liebt die Ruhe gehobener Unterkünfte. Der andere mag es laut, einfach, manchmal auch ein bisschen schäbig. Als Freiberufler muss ich mein Budget klug einteilen. Ich will so viel wie möglich sehen. Also gewinnt oft die wildere Seite. Und die führt mich – auch mit über 40 – immer wieder ins Hostel.

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Warum Hostels für viele Reisende unschlagbar sind

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Hostels sind günstiger als Ferienwohnungen, Airbnbs oder Hotels. Gerade für junge Reisende ist das oft entscheidend. Für mich ist es aber etwas anderes. Im Hostel lernt man schnell andere Menschen kennen, Gleichgesinnte. Hostels sind Begegnungsstätten, manchmal auch der intimeren Art. Sie sind Reisebörsen, auf denen Pläne für Sightseeing getauscht werden. Und nicht selten starten hier gemeinsame Weiterreisen. Hostels sind Märkte für Rezepte aus aller Welt, Umschlagplätze für Travel-Hacks, Orte zum Krafttanken mit knallbunter Einrichtung, die das innere Kind anspricht.

Hostels zwischen Freiheit und Chaos

Sie sind Therapiecouch für alle, die klassische Lebensmodelle hinterfragen wollen. Dort bekommt man Zuspruch aus vielen Kehlen und Sprachen. Sie sind Auffangbecken für gestrandete Existenzen, Schule des Lebens ohne Noten, Heimat für Aussteiger auf Zeit. Hostels sind offene Geschichtsbücher. Jeder darf sich eintragen. Jeder ist willkommen. Auch wenn es im Dorm mit zwölf Betten nach alter Wäsche riecht und garantiert jemand schnarcht. Dort erlebt man Nächte, über die Popmusiker singen könnten, und Tage, die ein altgriechischer Dramatiker nicht besser hätte erfinden können. Wichtig ist nur eines: WLAN darf nicht fehlen.

Billiger Alkohol und wenig Schlaf im Hostel

Ich schätze vor allem den Kontakt zu Reisenden aus aller Welt. Es ist großartig, Sprachkenntnisse aufzufrischen und neue Geschichten zu hören. Geschichten, die inspirieren, die man nicht schon tausendmal daheim gehört hat. Natürlich will ich mir mit über 40 auch manchmal beweisen, dass ich im Kopf noch jung bin. Auch wenn das heißt, dass ich kaum schlafe, weil im Zwölfbettzimmer wieder jemand schnarcht. Ich gebe zu: Es kostet mich heute mehr Kraft als noch vor zehn Jahren. Für viele junge Gäste ist das Hostel vor allem Partyzone. Motto-Abende und billiger Alkohol gehören oft dazu. Dann wird es laut. Sehr laut. Mehr als einmal habe ich meine Matratze auf einen ruhigen Gang oder auf die Dachterrasse gezerrt, weil der Lärm anders nicht auszuhalten war. Und trotzdem: Mein nächstes Hostel-Abenteuer ist bereits gebucht. Im Herbst 2026 geht es nach Budapest.

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