Malchower Drehbrücke startet in die Urlaubssaison: Rentner sichern den Bootsverkehr
Mit der ersten Öffnung am vergangenen Mittwoch um 9 Uhr morgens ist die Drehbrücke in der Inselstadt Malchow offiziell in die Hauptsaison für den Tourismus gestartet. Bereits am frühen Morgen warteten zwei Boote auf den ersten Brückenzug – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Verkehr auf den Wasserwegen und Seen der malerischen Müritz-Region wieder deutlich zunimmt. Die Drehbrücke stellt ein wichtiges Nadelöhr für den Schiffsverkehr zwischen dem Fleesensee und dem Plauer See dar.
Erfahrene Rentner übernehmen verantwortungsvolle Aufgabe
Gesteuert wurde die Brücke an diesem Morgen von einem der drei Brückenwärter: Der 72-jährige Werner Ehrich führt diese Aufgabe als Zuverdienst neben seiner Rente bereits seit neun Jahren aus. „Neun Jahre mache ich das bereits und es macht mir Freude“, erklärt Ehrich mit einem freundlichen Grinsen. Gemeinsam mit zwei Kollegen sorgt er dafür, dass die Brücke während der gesamten Saison zuverlässig geöffnet werden kann.
Joachim Fuchs, der von allen nur „Fuchsi“ genannt wird, schaut täglich mit dem Fahrrad bei der Brücke vorbei. Für den „Neu-Malchower“ gehört dies zum festen Ritual seines Rentnerlebens. Vor etwa sechs Jahren entschieden er und seine Frau sich, nach einem Urlaub in der Region, ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft an die Müritz zu verlegen. Ursprünglich stammen beide aus Sachsen-Anhalt. Heute genießt Fuchs auf der Rentnerbank an der Drehbrücke gerne gemeinsam mit dem Brückenwärter eine Tasse Kaffee.
Flexible Öffnungszeiten und persönliche Unterstützung
In der Hauptsaison ist die Drehbrücke täglich von 9 bis 20 Uhr besetzt, sodass dann wieder die erweiterten Öffnungszeiten gelten. Die drei Brückenwärter arbeiten in Schichten von jeweils sechs Stunden und wechseln sich im regelmäßigen Turnus ab. Dadurch ist sichergestellt, dass der Betrieb über den gesamten Tag hinweg lückenlos gewährleistet ist.
Die Öffnung der Brücke erfolgt dabei nicht automatisch zur vollen Stunde. Stattdessen entscheidet der Brückenwärter vor Ort, ob Boote die Durchfahrt benötigen. „Wenn jemand da ist, wird pünktlich zur vollen Stunde geöffnet“, heißt es von offizieller Seite. Sind keine Boote zu sehen, bleibt die Brücke einfach geschlossen. Besonders für unerfahrene Bootsführer ist die persönliche Unterstützung vor Ort eine große Hilfe. „Man sieht schnell, wer im Bootfahren ungeübt ist, da gebe ich auch mal Hinweise und helfe bei Bedarf, damit die Durchfahrt sicher gelingt“, so der erfahrene Brückenwärter Werner Ehrich.
Alte Gewohnheiten und steigende Wartezeiten im Sommer
Wer die Brücke schon länger regelmäßig passiert, ist es noch gewohnt, ein paar Euro für die Durchfahrt zu geben – obwohl dies schon seit längerer Zeit nicht mehr erforderlich ist. Da Menschen jedoch an ihren Gewohnheiten festhalten, fliegen trotzdem ab und zu ein paar Münzen in Richtung der Brückenwärter, die dann auch mal im Wasser landen. „Wer weiß, wie viele hier schon auf dem Grund liegen“, sagt Ehrich lachend und spekuliert über mögliche Schätze, die ein Taucher unter der Brücke finden könnte.
Derzeit ist die Saison noch ruhig gestartet. „Um 11 Uhr wird ein Fahrgastschiff passieren und für 12 Uhr hat sich ein Boot angekündigt, das in Mirow an der Schleuse erst nicht durchkam“, erklärt Ehrich. Doch in den kommenden Wochen wird der Betrieb voraussichtlich deutlich zunehmen. Im Hochsommer ist dann wieder mit langen Bootsschlangen rechts und links der Brücke zu rechnen. Entsprechend lange müssen dann auch Autofahrer warten, die durch die Stadt Malchow fahren möchten. Die Drehbrücke bleibt somit nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Boote, sondern beeinflusst auch den Landverkehr in der gesamten Region.



